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Architekturmuseen, Schweiz, S AM, Basel

Architekturmuseen als virtuelle Räume (Teil 2): Schweiz

Schweizer Architekturmuseum
Auch für das S AM in Basel kam die Schließung durch Corona völlig unerwartet. „Man rechnet mit keiner Pandemie“ so der Leiter Andreas Ruby. Und so musste das Team auf die Schnelle Ideen entwickeln, wie es die Besucher auf andere Art erreichen kann. Ähnlich wie im DAM wurde die bereits aufgebaute Ausstellung zunächst mit digital übermittelten Rundgängen ins Netz gestellt. Kuratoren und Museumsdirektor erklärten im Livestream einzelne Exponate und führten durch das Haus.

Im S AM erwuchs daraus die Idee einer Serie von fünf bis zehnminütigen Einzelwerkbesprechungen, die in den drei Landessprachen und Englisch übertragen wurden. Dazu kamen Interviews namhafter und weniger namhafter Architekten, die sich dazu äußerten, welche langfristigen Auswirkungen Corona auf Architektur und Stadtplanung in ihren Augen haben könnten. Dabei bleibt auch für die Ausstellungsmacher die Frage, ob es sich bei Corona um eine momentane Störung handelt oder um eine lang anhaltende Entwicklung.

Zurück zum Regelbetrieb will man dort nicht, sondern die digitalen Möglichkeiten, zu denen die Pandemie gezwungen hat, weiter ausbauen. So wird es weiterhin kurze Filme geben, die als Häppchen einen Vorgeschmack auf Ausstellungen geben. Auch ist Andreas Ruby davon überzeugt, dass sich die Kommunikationspraxis nachhaltig ändern wird: Vorträge werden im Livestream geklickt, das ist bereits bewiesen und führten zu der Idee, auch Symposien nicht mehr nur im lokalen Raum stattfinden zu lassen. Auch sind Angebote in überregionalem Kontext möglich und bieten eine riesige Chance. „Trotzdem kann die digitale Welt nur eine Ergänzung sein“, sagt Ruby, „denn oft ist die physische Anwesenheit des Besuchers wichtig. Zum Beispiel bei Exponaten, deren Dreidimensionalität erfassbar sein muss oder deren Haptik erspürt werden soll.“

Dies ist auch ein Wermutstropfen für die derzeitige Ausstellung. Nun bis Ende August verlängert, nimmt die Schau mit dem Titel „Unterm Radar“ jene Arbeitsprozesse unter die Lupe, die vor und nach dem eigentlichen Bauen stattfinden. Abstandsregeln und das Verbot Exponate anzufassen, schränken die Möglichkeiten der Ausstellung stark ein. Einen Zugewinn gibt es dennoch – dank Corona: Die Universität Kassel hat unter der Leitung von Theo Deutinger zwei Themen bearbeitet, deren Ergebnisse nun im S AM zu sehen sind. „The image of a Virus“ befasst sich damit, wie Statistiken zum Verlauf der Pandemie visualisiert und in eine Bildsprache übersetzt werden können. Neu überlegte Isotypen, Darstellungsmethoden und Formensprachen sollen die komplizierten Zusammenhänge verständlich machen.

Die Arbeit „Der pandemische Raum“ hingegen befasst sich mit der Frage wie sich alltägliche Bewegungen, Abstände, Gegebenheiten unter epidemischen Bedingungen auf die Nutzung von Gebäuden, öffentliche Flächen und Stadträume auswirken. Die Ergebnisse dazu sind in technisch anmutenden Zeichnungen dargestellt.
Die Arbeiten der Uni Kassel machen Möglichkeiten und Grenzen, die uns Corona beschert hat, recht deutlich: Virtuell erstellt, von Menschen, die sich nie trafen, hängen sie nun als analoge Zeichnungen an der Wand – und verlangen nach der physischen Präsenz des Betrachters.

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