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Studienreise Israel, TUM, Martin Mitterhofer

Aus München nach Tel Aviv: Studienreise nach Israel

Moderne Architekturgeschichte beginnt in Israel lange vor der offiziellen Staatsgründung. Das 1909 gegründete Tel Aviv ist heute vor allem wegen der »Weißen Stadt«, zahlreichen Bauhaus-Bauten aus den 1930er-Jahren bekannt. Ihren Namen erhält die Stadt im damaligen Vorort von Jaffa in Bezug auf den utopischen Roman Theodor Herzls »Altneuland«: Der Visionär und Begründer der zionistischen Bewegung aus Wien träumt von einem modernen Nationalstaat für europäische Juden.

Die Architektur wird zu einem wichtigen Teil des nationalen Projekts in Palästina, das 1920 unter das britische Völkerbundsmandat gestellt wird. Diese Entwicklung kann beispielhaft im neu gegründeten Tel Aviv beobachtet werden. Nach einer anfänglichen Bauphase, die durch Stilexperimente und Mischungen aus klassizistischen und orientalischen Formen charakterisiert wurde, setzt sich in den 1930er-Jahren der Internationale Stil durch. Gebaut wird die Stadt in dieser Zeit von zahlreichen Architekten – Apologeten des neuen Baustils –, die nach der politischen Radikalisierung in Deutschland nach Palästina übersiedeln. 

Nach 1948 beginnt mit der Gründung von Israel auch eine neue Entwicklungsphase für die Architektur des jungen Staates. Kurz darauf wird der Architekt und Bauhausschüler Arieh Sharon mit einem Nationalplan für das gesamte Land beauftragt, in dem die Siedlungsideologie festgelegt und der Bodenanspruch des Staates Israel besiegelt wird. In der darauffolgenden Zeit erweist sich die brutalistische Architektur als ein wahrhaft »israelisches Projekt«: Eine junge – hierzulande ausgebildete – Generation israelischer Architektinnen und Architekten sucht nach einer, der jungen Nation entsprechenden, Formensprache. 

In den 1970er-Jahren ändert sich nicht nur die politische Ausrichtung von Israel, sondern auch die architektonischen Prämissen: Die neoliberale Wende behandelt »Individualität« (unter anderem bezogen auf Architekturformen) als das höchste Gut. Die Gentrifizierungsprozesse der letzten Jahrzehnte zeigen sich besonders deutlich in der veränderten Gestalt von Tel Aviv. Die Bodenpreise in einer der teuersten Städte weltweit führen einerseits zu einem regelrechten Bauboom; auf der anderen Seite befinden sich die meisten historischen Bauten heutzutage in einem katastrophalen Zustand. Eine jahrzehntelange Vernachlässigung des öffentlichen Verkehrsnetzes führt zur Überlastung der Stadt; zu hohe Wohnungspreise – zu immer weiterer Verdrängung und Segregation.

Eine große Protestwelle beginnt in Israel 2011. Die Bodenpolitik des Landes (im weitesten Sinne) ist der Grund der Proteste, die mit einer bescheidenen Demonstration gegen die tagtäglich wachsenden Wohnungspreise in Tel Aviv anfängt: Die Wohnungskrise ist ein Zeichen der inneren Zerrissenheit des Landes, bei dem die »Bodenfrage« bis heute ein ideologisches Fundament der staatlichen Existenz bildet.

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