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Autodesk University in Las Vegas - Tag 3

 

Sonne! Endlich mal. Nicht, dass sie nie scheinen würde, hier mitten in der Wüste. Aber man bekommt sie nicht zu Gesicht. Wenn sie am Himmel ihre Runde zieht, sitze ich in der Konferenz, springe von einer Session zu nächsten. Heute lief es allerdings ein wenig anders: Der Tag begann um 9:00 Uhr mit einer Tour zu Steelman Partners Architekten. Die 15 Minuten, die ich auf den Bus wartend in der Sonne vor dem Konferenzzentrum verbrachte, waren eine Wohltat. Doch hier ist aktuell auch Winter, was heißt: am Tag um die 15 Grad, nachts um den Gefrierpunkt. Aber wärmer als im eingeschneiten Deutschland ist das allemal.

Bei Steelman Partners von einem Architekturbüro zu sprechen ist leicht untertrieben. Im Nordwesten gelegen, im klassischen Gewerbegebiet nach amerikanischem Muster steht hier eher eine Architekturfabrik. Das amerikanische Großraumbüro findet sich auch hier wieder: die verschiedenen Planungsabteilungen sitzen dicht beieinander, ein Blick über die schulterhohen Trennwände reicht, um zu sehen ob der Kollege im Haus ist. Steelman Partners sind einer der „Big Player“ im Bau von Casinos und Entertainment-Centern, weltweit.

Das ist ein „eingeschworener Zirkel“, in den der Gründer Paul Steelman im Laufe der Jahre hinein wuchs und Kontakte aufbauen konnte, erklärt Kama Star, Business Development Coordinator. Paul Steelman arbeitete mit MGM, Mirage Resorts, Sheraton, Hyatt, Swiss Casinos, Hard Rock, Grand Casinos, Icahn Enterprises, Caesars Entertainment, um einige der Kunden zu nennen. Freilich, über die Architektur der realisierten Bauten lässt sich streiten. Doch die Entertainment-Industrie verkauft Träume, die dem Massengeschmack entsprechen um lukrativ zu sein – vor allem dem amerikanischen Massengeschmack.

Steelman Partners ist seit vielen Jahren erfolgreich und wächst kontinuierlich, mit Dependancen in China und Vietnam. Auf meine Frage, wo die Arbeit im Büro beginnt und wo sie für die Planer endet, erfuhr ich, dass die meisten Projekte durch alle Phasen begleitet werden: von der Vorpräsentation bis zur Übergabe an den Bauherrn. Dadurch, dass Steelman Partners neben der Architekturabteilung auch Innenarchitekten, Designer, eine eigene Lichtplanungsabteilung und eine 3D-Truppe mit Renderingsfarm und über 200 Rechnern unterhält, lässt sich das komplette Planungsspektrum realisieren.

Die 3D-Visualierung und die Virtual Reality-Umsetzung (VR) läuft seit einem Jahr sogar als autarkes „Spin Off“, mit 3D-Artists in Las Vegas, Santa Monica und in Zhuhai (China). Oft bleiben für die komplexen Animationen nur 4 oder 5 Tage. „Da muss man 24 Stunden durcharbeiten, um fertig zu werden. Durch die verschiedenen Standorte können wir das“, wie Keith Winters (President von inviro, dem Spin Off) herausstellt. Bei der anschließenden Verabschiedung fragt mich Winters noch, ob ich wirklich von DETAIL aus Deutschland komme. Die Zeitschrift kennt er gut und freut sich, dass er nun einmal ein Gesicht dazu gesehen hat.

 

Das weitläufige Konferenzzentrum des Mandalay Bay Hotels bietet auch Ausstellern Platz. Vor allem die Entwicklungen im Bereich des 3D-Drucks und des Rapid Prototypings (der Erstellung von Prototypen, direkt aus der 3D-Datei, DETAIL berichtete) sind noch immer beeindruckend. In der Halle waren Sowohl 3D-Drucker als auch 5-Achs-CNC-Fräsen im Einsatz. Darüber hinaus nutzten zahlreiche Softwarehersteller, deren Lösungen auf AutoCAD basieren, die Ausstellung für Produktpräsentationen.

Gestern abend konnte ich Alastair Blyth kennenlernen, der sich für die OECD mit den notwendigen mittelfristigen Veränderungen in der Schularchitektur und einer zukunftsfähigen Ausbildung auseinandersetzt (siehe Eintrag von gestern). Ein angenehmer Gesprächspartner, den ich heute kurzfristig für ein Interview gewinnen konnte. Blyth erarbeitet am Centre for Effective Learning Environments in Paris aktuell ein Kompendium, in dem der Status Quo im Bildungssektor der 33 OECD-Mitgliedsländer erfasst ist.

Damit will er den Ländern eine Arbeitshilfe an die Hand geben, um ihre eigene Bildungspolitik abzugleichen und überdenken zu können. Letztlich ist es nicht die Architektur allein, die über den Erfolg der nationalen Bildungsoffensiven entscheidet, stellt Alastair Blyth heraus. Der Erfolg hängt stark von der Bildungsförderung der Länder selbst ab. Ein Prozent des BIP sollte mindestens in die Bildung gesteckt werden, erläutert er. In Deutschland waren es 2010 sogar 3 Prozent, fast 11 Mrd. Euro, die zur Verfügung gestellt werden sollten. Ob uns das bei der Bekanntgabe der nächsten PISA-Studie (erscheint um den 10. Dezember) hilft, ließ er offen. Leider durfte er dazu nichts sagen...

Tim Westphal

 

 

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