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Bijoy Jain: Architektur ist kulturelle Identität!

Bijoy Jain

Selten wurde diese Aussage so bildhaft nachvollziehbar und fassbar wie in dem fulminanten Vortrag, den der indische Architekt Bijoy Jain vor rund 170 Zuhörern kürzlich in der Inatura in Dornbirn hielt.

Auf Einladung des Vorarlberger Architektur Instituts ist der Gründer von Studio Mumbai nach Vorarlberg gereist, um seine Arbeitsweise und sein Architekturverständnis vorzustellen. Geprägt von seiner Ausbildungszeit in den Vereinigten Staaten sowie vom kulturellen Erbe des

indischen Subkontinents, stimuliert die Bikulturalität seine Kreativität auf besondere Weise. Eindrucksvoll vermittelt sich das auch in der umfangreichen Ausstellung „Studio Mumbai“ die noch bis 1. Oktober im Vorarlberger Architektur Institut zu sehen ist.

Bei der Rückkehr aus den USA vor 15 Jahren wird der Architekt in der brodelnden und aufstrebenden Megametropole Mumbai auf den folgenreichen Umbruch in der dortigen Bautradition aufmerksam. Berührt vom  Verlust des Qualitätsgedankens im Handwerk und vom Siegeszug einer gesichtslosen Schnellbauweise, animiert ihn der neue Blick auf die alte Heimat dazu, seinen eigenen Weg zu gehen.

Als rastloser Erforscher der indischen Bau- und Lebenskultur hält der charismatische Erneuerer seither in Skizzenbüchern und Smartphoneclips mit der Präzision eines Ethnologen fest, was später oft in die Projektarbeit einfliesst: geläufige Alltagspraktiken, traditionelle Handwerkstechniken, regionale Baustile oder Landschaftsformationen.

Als Perfektionist entscheidet sich Jain für eine eigenständige Atelierform,  bei der er stets die Kontrolle über den Qualitätsstandard behält: Mehr Werkstatt als Büro, vereint Studio Mumbai – etwa wie eine mittelalterliche Bauhütte - über hundert Handwerker und Spezialisten unter einem Dach. Von der ersten Entwurfsskizze bis zum schlüsselfertigen Gebäude führt das Kollektiv alle Arbeitsgänge in den eigenen Werkstätten aus – bis ins letzte Detail.

Als Architekt schliesslich verwebt Bijoy Jain stilsicher Elemente westlicher und südasiatischer Baukultur zu Gesamtkunstwerken von minimalistischer Finesse, eleganter

Leichtigkeit und atmosphärischer Dichte. Sie stehen in Dialog mit dem Naturraum und seinem jahreszeitlichen Wandel und verbinden sich mit der Landschaft, als wären sie ein Teil von ihr.

Die Namen seiner Bauten, wie etwa das Palmyra House in Nandgaon, stehen beispielhaft für ein anderes Architekturverständnis, das inzwischen weltweit auf Interesse stösst. Die Auszeichnungen sprechen für sich: 2009 Merit Recognition beim Design for Asia Award und der Global Award for Sustainable Architecture.  2010 Finalist des 11. Aga Khan Award for Architecture und der Spezialpreis der Jury auf der Internationalen Architektur Biennale von Venedig.

Das Vorarlberger Architektur Institut in Dornbirn und das Sitterwerk in St. Gallen widmen Studio Mumbai gemeinsam eine grosse Werkschau. Weitere Informationen finden Sie hier.

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