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Design auf Schritt & Tritt: Böden von Alfredo Häberli

Das Parkett »Nea« aus robustem Eichenholz gibt's schwarz gebeizt oder in hell naturgeölt - und erinnert mit seinen in unregelmäßigen Abständen angeordneten Ausfräsungen an Dominosteine. Der dynamisch wirkende Boden wurde zur Freude von Designer und Unternehmen gleich mit einem Red Dot Award ausgezeichnet.

Spannend die vier Laminatböden »Liv«, »Lou«, »Ylo« und »Ena«. Liv ist von klaren, geometrischen Formen geprägt, die sich teilweise zu überlagern scheinen. Die Steinoptik von Lou basieren auf einer grafischen Struktur, die Häberli bewusst nicht vom Computer generieren ließ, sondern selbst entwickelt hat. Das Muster dient auch als Grundlage für die  Ena und Ylo, die ausgefallensten Böden der Designkollektion.

Alfredo Häberli ließ sich bei der Gestaltung von Ena von der Idee des ikonischen »Pirelli-Bodens« mit seinen typischen Noppen aus den 1970er-Jahren inspirieren. Ylo fällt wiederum mit seinen streifenförmigen, an den Enden abgerundeten Formen ins Auge, die in Reihe angeordnet sind. Die Regelmäßigkeit der Struktur wird mancherorts durch fehlende Streifen unterbrochen. Der besondere Clou bei beiden Böden ist die auffällige Farbgebung innerhalb der geometrischen Figuren. Diese dienten dem Designer als Grundlage für die Punkte und Streifen, die den ruhigen Untergrund akzentuieren.

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»Einen Boden betrachte ich von nah und fern – neu und immer anders.« - Ein Interview mit Alfredo Häberli

Wie definieren Sie den Begriff Design?

Alfredo Häberli: Für mich bezeichnet Design ein Produkt oder Objekt, das einen Mehrwert hat. Am schönsten ist es, wenn man als Designer von Anfang an in den Entstehungsprozess eines Produktes involviert ist und idealerweise von einem „weißen Blatt“ an arbeitet. Das ist sicherlich nicht immer einfach zu gewährleisten und der bequeme Weg, aber es macht mir Spaß, in Nischenbereichen zu arbeiten und ungewöhnliche Lösungen zu finden. Es gibt kaum noch Gebiete, in denen man wirklich neue Dinge entdecken kann. Gerade das stellt für mich eine Herausforderung dar. Mir ist es wichtig, dass Design ästhetisch und stimmig ist und eine Ausstrahlung besitzt: Es ist präsent im Raum, strahlt gleichzeitig eine Leichtigkeit aus und hält sich im Hintergrund.

Inwieweit ist für Sie Nachhaltigkeit im Gestaltungsprozess wichtig?

Häberli: Ökologie ist für mich enorm wichtig, aber ein Designobjekt muss nicht zwangsläufig danach aussehen. Ich versuche, dem Fortschritt ein neues Bild zu geben. Für meinen Gestaltungsprozess bedeutet das auch, dass ich keinen Trends hinterherjage. Ich verfolge natürlich Trends, möchte aber vielmehr etwas Langfristiges, Nachhaltiges entwickeln, das in zehn Jahren noch produziert wird. Bei meinen Designs setze ich daher auf zeitlose Attraktivität. Darüber hinaus möchte ich Diskussionen mit Unternehmen anregen und die Überlegungen, mit welchen Materialien wo etwas wie produziert werden kann.

Für Parador haben Sie sich nun der Gestaltung von Böden verschrieben. Worin liegen für Sie die Herausforderungen – insbesondere verglichen mit dem Entwerfen von Möbeln?

Häberli: Die Ausgangslage bei der Gestaltung eines Bodens ist eine ganze andere: Der Designprozess ist eher mit dem eines Stoffes oder einer Fläche vergleichbar. Beim Entwerfen eines Bodens muss ich denselben immer im Raum denken. Auf DIN A4 entfaltet der Boden natürlich nicht seine gesamte Wirkung. Daher betrachte ich ihn immer von nah und fern – neu und immer anders. Generell spreche ich von einem gelungenen Entwurf, wenn er eine Ambivalenz in sich trägt: Wenn er sich anpasst und zurücknimmt, gleichzeitig aber da ist und sich zu erkennen gibt.

Welche Bedeutung haben Böden für Sie?


Häberli: In der Architektur ist oft die Rede von „Boden, Wand und Decke“. Durch diese Elemente wird der Raum definiert. Sie sind diejenigen Flächen, die Volumen begrenzen und uns umgeben. Der Boden stellt dabei die Basis dar, den Grundriss und die Grundlage für alles Räumliche. Viele Sprichwörter beziehen sich auf ihn und er markiert eine Art Verwurzelung.

Wie wird der Boden Ihrer Meinung nach zu einem emotionalen Produkt?

Häberli: Für den Alltag sind schräge Bodenmuster eher weniger geeignet. Viel interessanter ist es Böden zu entwickeln, die sich erst auf den zweiten Blick mit ihren Mustern und Strukturen offenbaren und Emotionen wecken. Ein gutes Beispiel dafür ist der Parkettboden NEA der „Floor Fields Design Edition“, der eine klare Eleganz ausstrahlt und allein durch ganz feine Strukturen und Veränderungen Emotionen auslöst. Einer der schönsten Böden ist für mich übrigens ein klassischer Waldboden: Er verändert sich mit den Jahreszeiten und ist der Inbegriff für den Gang des Lebens im Einklang mit der Natur.

Was hat Sie bei der Gestaltung des Parkettbodens NEA mit ihren feinen Einfräsungen inspiriert?

Häberli: Mir gefällt die Doppeldeutigkeit von Mustern. Damit meine ich, dass sie nicht auf den ersten Blick erkennbar sind und sich erst beim genauen Hinschauen offenbaren. Löcher, Kreise und Rundungen fand ich gestalterisch schon immer spannend. Darüber hinaus war ich auch vom klassischen Pirelli-Boden sehr fasziniert – eine Ikone des Designs der Siebzigerjahre! So etwas in der Art sollte es sein, aber nur leiser, mit mehr Understatement und einem gewissen Überraschungseffekt.

Welche Wirkungen wollen Sie mit den verschiedenen Laminatböden der Kollektion erzielen?

Häberli: Ich wollte mich bewusst von einer Holzimitation und einem bloßen Designboden entfernen. Daher habe ich nach Farben, Mustern und Drucken gesucht, die besonders prägnant und nicht computergeneriert sind. Ich habe nach neuen Strukturen gesucht, die man selbst real kreieren kann, die gemalt sind und nicht künstlich wirken – eine Mischung aus Grafik und organischen Strukturen. Der Boden muss bei mir Emotionen auslösen, die sich beispielsweise in den grafischen Punkten der Laminat-Variante ENA wiederfinden. Jeder Punkt ist eine eigene kleine Welt, die sich erschließt, je länger man hinschaut.

Was hat Sie an der Zusammenarbeit mit Parador fasziniert?

Häberli: Ich als Industriedesigner arbeite gerne mit größeren Firmen zusammen und gebe meine Erfahrungen weiter. Diese erste Zusammenarbeit mit Parador hat mich enorm fasziniert und ich bin sehr gespannt, wie sie von den Architekten und in den von ihnen gestalteten Räumen aufgenommen wird. Das Resultat wird sich dann zeigen. So gesehen habe ich ein unvollendetes Produkt entwickelt, das erst durch seinen Gebrauch vollendet sein wird. Und das ist wirklich neu für mich!

Design auf Schritt & Tritt: Böden von Alfredo Häberli

Alfredo Häberli im Interview. Foto: Parador

Design auf Schritt & Tritt: Böden von Alfredo Häberli
Design auf Schritt & Tritt: Böden von Alfredo Häberli

Das »Making of«. Alle Fotos: Parador

 

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