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Installation MINI LIVING »Forests« von Asif Khan

Neue Räume für die Stadt – MINI LIVING »Forests«

Die Faszination der Großstadt ist ungebrochen. Nach wie vor zieht es den Menschen in die Metropolen, die Arbeit und Wohlstand versprechen. Doch die Kehrseite der Medaille ist offensichtlich - bezahlbarer Wohnraum ist dort kaum noch vorhanden. So reicht bei vielen das Budget nur für ein beengtes Ein-Zimmer-Apartment oder das Teilen von Wohnraum in einer Wohngemeinschaft. Platz für eigene Bedürfnisse bleibt da kaum. Gleichzeitig verändert sich die Arbeitswelt: die räumliche Trennung von Arbeiten und Wohnen löst sich auf, Arbeitsplätze werden mobil, Beschäftigungsverhältnisse lockerer.

Im Zuge dieser Entwicklungen gewinnen die sogenannten Third Places, Räume zwischen dem Zuhause und dem Arbeitsplatz, an Bedeutung. Schon heute sind sie wichtige Anlaufpunkte des modernen Großstädters - Orte der Begegnung, der Erholung oder bestimmter Dienstleistungen. Klassische Beispiele sind hier das Café oder Restaurant, die nicht nur Freiberufler gerne zum Mails checken oder als Meetingraum nutzen. Wirklich ausgelegt sind diese Räume dafür allerdings nicht. Meist sind sie an Konsum gekoppelt, nicht jederzeit nutzbar oder gar an persönliche Bedürfnisse anpassbar. Solche Räume als neuen, frei zugänglichen Typus in der Stadt zu etablieren und Gestaltungsideen dafür aufzuzeigen, war das Ziel der Installation MINI LIVING »Forests« auf dem diesjährigen London Design Festival.

»Meine Interpretation des Themas ist inspiriert vom japanischen Konzept 'shinrin yoku', das übersetzt so viel bedeutet wie 'Forest Bathing'. Im übertragenen Sinne bedeutet es, dass jeder Sinn sensibilisiert wird, um die Atmosphäre des Waldes aufzunehmen - was man hört, was man riecht, sogar das Gefühl des Waldbodens unter den Füßen. Im alltäglichen Umfeld benutzen wir Pflanzen als ein Werkzeug, um unseren persönlichen Raum vom öffentlichen Raum abzugrenzen, sei es auf unserem Schreibtisch im Büro oder zu Hause. Die Installation verbindet diese beiden Ideen miteinander und macht dadurch neue Sinneswahrnehmungen in der Stadt erlebbar«, erläutert Asif Khan das Konzept.

Die drei Räume lagen im Londoner Stadtteil Shoreditch. Das Grün der Pflanzen schien durch die transluzenten Wände hindurch und war damit ein erster Hinweis auf das besondere Innenleben und das verbindende Element zum Außenraum. Drei Funktionen deckten die unterschiedlichen Räume ab: der Connect Space verstand sich als Ort der Begegnung und des Austauschs. Der Create Space bot ein optimales Ambiente, um fokussiert zu arbeiten, wohingegen der Relax Space dazu einlud, den hektischenAlltag kurz auszublenden.

Weitere Informationen erhalten Sie HIER

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Urbanität ist Miteinander – Interview mit Oke Hauser
Zur Implementierung und dem Potenzial von Third Places in der Stadt sprach DETAIL mit Oke Hauser, Creative Lead MINI LIVING.

Wie kam es zu der Kooperation mit Asif Khan?
MINI LIVING beschäftigt sich mit dem innerstädtischen Wohnen der Zukunft und den damit verbundenen Herausforderungen. Als eine Art Thinktank suchen wir nach kreativen architektonischen Lösungen. Die Raumkonzepte von MINI LIVING sollen inspirieren und zum Nachdenken anregen. Hierfür wünschen wir uns Partner, die ebenso offen und unkonventionell neue Konzepte des Wohnens betrachten und gestalten. Asif Khan war für die MINI LIVING Forests Installation, die wir zum diesjährigen London Design Festival gezeigt haben, daher der perfekte Partner.

MINI positioniert sich als urbane Marke. Was bedeutet Urbanität für Sie? Welche Potenziale sehen Sie für die Stadt der Zukunft?
Für mich ist Urbanität das Befürworten des Miteinanders, des Unvorhergesehenen und der Vielschichtigkeit. Die Inspiration und der Mehrwert für das persönliche Leben sind unermesslich. Bereits heute lebt ein Großteil der Bevölkerung in Städten. Das Raum- angebot ist knapp und daher gilt es, den Raum, der zum Wohnen und Leben in der Stadt zur Verfügung steht, besser zu nutzen. Neue ganzheitliche Lösungen müssen erarbeitet werden, die Mobilität ebenso einbeziehen wie die Architektur und die Bewohner. Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität. Das größte Potenzial für die Stadt der Zukunft sehe ich in einer intelligenten Verknüpfung von Raum und Zeit. Bezogen auf das Thema Architektur bedeutet dies: flexible Wohnkonzepte, die einen kleinen persönlichen, räumlichen Fußabdruck mit temporärem Zugang zu geteilten Räumen kombinieren.

Wie bewegen Sie sich am liebsten innerhalb der Stadt?
Das ist ganz unterschiedlich je nach Situation. Mich faszinieren beispielsweise Sharingangebote wie DriveNow.

Nutzen Sie bereits »Third Places«? Wenn ja, wo und wie?
Konventionelle sogenannte Third Places gibt es ja bereits und die nutze ich wie wir alle von Zeit zu Zeit. Leider sind die bestehenden Third Places meist an Konsum geknüpft und bieten allzu oft nur eine eingeschränkte Funktionalität zur Interaktion und Personalisierung. Mit der MINI LIVING Installation in London haben wir ein alternatives Third-Places-Konzept gezeigt. Es war öffentlich zugänglich, geteilt und funktional.

Wo sehen Sie z.B. in London die größten Chancen und Möglichkeiten für die Implementierung von Third Places?
Die besten Orte für eine Implementierung sind die zum Teil ungenutzten, öffentlichen Räume in der Stadt.

Wie können solche Räume gerecht genutzt werden? Wie verhindert man die dauerhafte Besetzung solcher Räume oder Vandalismus?
Verwahrlosung und Vandalismus im öffentlichen Raum sind meiner Einschätzung nach oft ein Ergebnis eines mangelnden Verhältnisses zu diesen Räumen. Durch Interaktion des Einzelnen mit dem Raum und das Teilen in der Gemeinschaft könnte man diesem Phänomen möglicherweise entgegenwirken.

Wie wurden die Räume auf dem LDF  genutzt? Wie war die Resonanz?
Die Resonanz auf die MINI LIVING Räume war enorm positiv. Es war faszinierend zu erleben, wie die Besucher mit diesen interagierten, sie temporär zu ihren eigenen machten und dadurch Räume voller Begegnung, Inspiration und Kontemplation entstanden.

Sehen Sie noch weitere Nutzungsmöglichkeiten?
Wir haben in London mit den drei Themen relax, create und connect nur einen exemplarischen Ausschnitt möglicher Funktionen der Räume gezeigt. Natürlich könnte man diese Ideen aufnehmen und durch zusätzliche Funktionen ergänzen.

Sind Folgeprojekte oder dauerhafte  Implementierungen geplant?
Wir freuen uns sehr auf unser nächstes MINI LIVING Projekt, das wir im Rahmen des Salone del Mobile im kommenden April zeigen werden. Zu Beginn 2017 eröffnet MINI mit dem A/D/O in Brooklyn, New York, des Weiteren ein öffentliches Gebäude, das Kreativen, die sich mit der Stadt der Zukunft beschäftigen, einen dauerhaften Ort für kreatives Schaffen bietet.

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