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Parasite Farm von Charlotte Diekmann & Nils Ferber

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Sie haben keinen Garten, keinen Balkon? Wollen aber dennoch selbstgezogenes Gemüse essen? Dann wird Sie das Projekt Parasite Farm sicher interessieren...

Die Parasite Farm besteht aus einem Kompostsystem, dass an den Küchentisch gehängt wird, sowie aus beleuchteten Planzkästen, die in das BILLY-Regal von Ikea eingehängt werden. Die Designerin Charlotte Dieckmann hat das Projekt gemeinsam mit Nils Ferber im Seminar "Agriculture and the City" mit Gastprofessor Harald Gründl (EOOS) entwickelt.

Hier die Projektbeschreibung der Gestalter:

Land – Mensch – Stadt ? 88 Prozent der Deutschen leben in Städten, mit steigender Tendenz. Der Mensch entfernt sich vom Land und von der Natur, die unter dem Einfluss des Menschen immer mehr verschwindet. Nur 5,9 Prozent der Landwirtschaftlichen Anbaufläche werden auf nachhaltige Weise genutzt. Wir verbrauchen mehr fruchtbaren Boden als wir wieder zurückführen. Diese negative Humusbilanz bei wachsender Weltbevölkerung und steigendem Pro-Kopf-Verbrauch sollte uns zu denken geben…

Der urbane Raum mit seinen hohen Grundstückspreisen und starker Verdichtung lässt kaum Platz für landwirtschaftliche Praktiken. Die industrielle Landwirtschaft ist nur den wenigsten vertraut und spielt sich fernab unseres Alltags ab. Wer weiß heutzutage noch wie Gemüse wächst und angebaut wird? Innerhalb von zwei Generationen wurde das Wissen und Bewusstsein für den saisonalen und regionalen Anbau gegen ein ganzjähriges und internationales Gemüsesortiment im Supermarktregal getauscht. Als Reaktion auf die Landflucht der Menschen und der damit verbundenen Entkopplung von Großstadtleben und Subsistenzwirtschaft wollen wir Bestandteile und Kreisläufe aus der Natur wieder direkt zum Menschen in die Stadt bringen.

Dafür entwickeln wir Objekte, die einen Nährstoffkreislauf innerhalb der Wohnung ermöglichen, um dort Gemüse anbauen zu können. Denn wie viele Menschen haben in der teuren und dicht besiedelten Stadt tatsächlich einen Zugang zu einem eigenen Garten oder wenigstens einen Balkon? Die entstehenden Produkte, sowie die Nährstoffe selber, sollen auf die Infrastruktur der Wohnung zurückgreifen und dabei Ressourcen nutzen, die bisher im Haushalt ungenutzt waren.

Vom Abfall zum Nährstoff: Die Basis für unseren Nährstoffkreislauf besteht aus sogenannten biologischen “Abfällen” aus der Küche. In unserem Kreislauf werden diese “Abfälle” zu wertvollem organischen Material. Die in ihm enthaltenen Nährstoffe sollen in einem für den Innenraum geeigneten Kompostierverfahren – mit einer bestimmten Kompostwurmart aus der Familie der Regenwürmer – wieder für Pflanzen verfügbar gemacht werden. Der Benutzer produziert also seinen eigenen biologischen Wurmhumus, der als Nährstoffdünger fü den Gemüseanbau in seiner Wohnung dient.

Um dies in den Küchenalltag zu integrieren gestalten wir einen Komposter, der die Bedürfnisse des Kompostwurms mit den Ansprüchen der menschlichen Benutzbarkeit und Gewohnheit vereinbart. Er kann an den Rand von Küchentischen oder Arbeitsplatten angehängt werden und wird damit zum sympathisch Parasiten, der sich von organischen „Abfällen“ ernährt.

Der Deckel des Komposters ist zugleich ein Schneidebrett: Schiebt man es nach hinten öffnet sich ein Loch und das organische Material kann direkt vom Brett in den Komposter geschoben werden. Unser Nährstoffkreislauf beginnt also dort, wo die organischen Anteile normalerweise zu “Abfall” werden. Eine integrierte Fliegenfalle verhindert, dass sich Fruchtfliegen aus dem Komposter in die Küche verirren.

Ist genug Sauerstoff vorhanden kann eine fast geruchlose Verrottung stattfinden, die nach Walderde riecht. Um den Kompost mit ausreichend Luft zu versorgen sind Belüftungsschlitze an der Unterseite der Aufhängung, sowie auf der Rückseite vorhanden. Um die Durchlüftung in den Schichten des Komposts zu gewährleisten kann ab und zu Stroh hinzugegeben werden. Es reguliert gleichzeitig den Feuchtigkeitsgehalt im Komposter.

Damit Mikroorganismen sowie die Kompostwürmer das organ. Material zersetzen können ist Wasser notwendig. Der Kompost sollte zu 60 – 80 % aus Wasser bestehen. Da Gemüseabfälle schon zu einem großen Teil aus Wasser bestehen, sollte eine Zugabe von Wasser im Normalfall nicht nötig sein.  Die Feuchtigkeit entspricht in etwa der einem Ausgedrücktem Schwamm. Nach wenigen Wochen bildet sich flüssiger Wurmdünger, mit dem Zimmer-, und Nutzpflanzen gegossen werden können. An der Seite des Pflanzkastens kann der Wasserstand abgelesen werden.

Nach drei Monaten ist der Kompostierprozess vollständig in Gang gesetzt und das erste organische Material von den Kompostwürmern zu Wurmhumus verdaut worden. Er dient ebenfalls als bodenverbessernder Nährstofflieferant für Pflanzen.

Vom Nährstoff zur Nahrung: Um den Anbau von Gemüse in der Wohnung zu ermöglichen, gestalten wir außerdem einen Pflanzkasten, der platzsparend in das in fast jeder Wohnung vorhandene BILLY-Regal von Ikea eingehängt werden kann. Der Benutzer kann schließlich das reife Gemüse direkt aus dem eigenen Regal entnehmen und frisch verzehren. Die Reste landen wiederum im Komposter. Somit schließt sich der Nährstoffkreislauf und bildet den Ausgangspunkt für die Selbstversorgung mit Gemüse.

Gewohnheit – Bewusstsein: Wir möchten zu mehr Bewusstsein für dieses essenzielle Thema anregen: Wir müssen die Natur wieder in unser Leben integrieren, ein Gefühl für unsere Ernährung, das Wachstum von Pflanzen, die Herkunft und Produktionsweisen unseres Essens bekommen. Wir wollen durch kleine Eingriffe in den Alltag den Benutzer neue Gewohnheiten hinterfragen lassen oder ihn dazu bringen alte Gewohnheiten wieder neu für sich zu entdecken. Natürlich ist die „Parasite Farm“ keine pragmatische Lösung für Lebensmittelknappheit und den globalen Humusschwund. Aber sie ist ein Versuch dieses Thema ins Gespräch zu bringen und denkbare Alternativen greifbar zu machen.

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