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documenta 14, Kassel, Hiwa K, When We Were Exhaling Images, Mathias Voelzke

The Parthenon of Books: Documenta 14 in Kassel

Zum ersten Mal findet eine der wichtigsten Kunstausstellungen weltweit nicht nur in Kassel, sondern auch in Athen statt. Schon der Titel der Documenta 14 »Von Athen lernen« ist doppeldeutig: Zum einen ist ein kritischer Blick auf die aktuelle politische Situation in Europa mit Mitteln der Kunst beabsichtigt, zum anderen wird die europäische Konstruktion der griechischen klassischen Künste auseinandergenommen und aus einer kritischen Distanz betrachtet.

Ein Highlight der Ausstellung ist das Kunstwerk »The Parthenon of Books« der argentinischen Künstlerin Marta Minujin. Ihren ersten Buchtempel stellte sie 1983 in Buenos Aires auf; etwa 20.000 Bücher, die von dem argentinischen Militärregime in der Zeit zwischen 1976 und 1983 verboten wurden, bedeckten die Säulen und den Fries des ersten Parthenons.

Höchst symbolisch ist auch der Ort des aktuellen Tempelbaus – eines »ästhetischen wie politischen Archetypus der Demokratie«, dessen Grundsteinlegung in Kassel am 22. Oktober 2016 stattfand: während der »Aktion wider den undeutschen Geist« im Jahr 1933 wurden auf dem Friedrichsplatz über 2.000 Bücher verbrannt. Rund 100.000 verbotene Bücher aus der ganzen Welt bedecken heute die Säulen des Parthenon of Books (darunter »Harry Potter«, Goethes »Die Leiden des jungen Werther«, »Grimms Märchen« oder auch »Das Geisterhaus« von Isabel Allende). Die Installation ist ein »work in progress«-Projekt: Im Laufe der Ausstellung werden Buchspenden gesammelt, um den Tempelbau zu vervollständigen. Zum Ende der Documenta gehen die Bücher zurück an die Öffentlichkeit.

Es gibt viel zu sehen auf der documenta 14. Auch setzen sich viele der Kunstwerke mit den architekturrelevanten Themen auseinander, wie zum Beispiel die Installation »When We Were Exhaling Images« des irakischen Künstlers Hiwa K, die in Zusammenarbeit mit den Studierenden der Kunsthochschule Kassel entstand. Die Arbeit besteht aus 20 aufeinander gestapelten Abwasserrohren, die den Rohren nachempfunden werden, die in den 1990er-Jahren den Flüchtlingen in Griechenland als Unterkunft dienten. In der Arbeit von Ibrahim Mahama »Check Point Sekondi Loco« wird die Torwache von Kassel mit benutzten Jutesäcken für Kakao, Kaffee oder Reis bedeckt. Die symbolische Bedeutung des Kunstwerks (das Warenströme und Produktionsbedingungen thematisiert) tritt in Dialog mit der historischen Architektur der Torwache.  

Die documenta 14 kann noch bis zum 17. September in Kassel besichtigt werden.

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