Architekturfilmtage »Living Architectures«

Die Architekturfilmtage der Bayerischen Architektenkammer feiern einen runden Geburtstag. Zum zehnten Mal hat das Filmmuseum München ein spannendes Filmprogramm zusammengestellt, vom 23. bis 25. April 2010 unter dem programmatischen Titel »Living Architectures«. Die Positionen der einzelnen Filme könnten extremer nicht sein.

So formuliert die titelgebende Filmreihe »Living Architectures« die Bruchstellen in der Darstellung von Architektur. Die Autoren Ila Bêka und Louise Lemoîne gehen auf Distanz zur idealisierten Makellosigkeit der Formen und Oberflächen. Sie zeigen stattdessen, wie Architektur das tägliche Leben von Menschen beeinflusst. Ob sie eine Raumpflegerin dabei beobachten, wie diese Koolhaas' Villa in Bordeaux mit Eimer und Wischmob zu Leibe rückt, oder Erntehelfer bei ausgelassenen Feierlichkeiten im Weingut Pomerol von Herzog & de Meuron begleiten: die Wucht mit der banale Alltagsverrichtungen medial festgefügte Bilderwelten erschüttern und so zu einer Rekontextualisierung zeitgenössischer Architektur-Highlights beitragen birgt reichlich Situationskomik.

Am anderen Ende der Skala stehen die nahezu menschenleeren Räume und Plätze, die der Filmemacher Heinz Emigholz in »Sense of Architecture« zeigt. Über ruhige, regelmäßige Bilderfolgen vermittelt Emigholz in 54 filmischen Kurzstudien zeitgenössische Architektur in und aus der Steiermark – ohne Kommentar, unterlegt nur mit den Geräuschen der Natur und der Stille der Innenräume. Dieses Darstellungsprinzip wird sowohl bei öffentlich zugänglichen Gebäuden wie der Apotheke zum Löwen von Aspern von ARTEC Architekten (DETAIL 3/2004) als auch bei Wohnbauten wie dem Haus mit der Elefantenhaut von PRAG architects (DETAIL 6/2006) aufrechterhalten. Das Lebendige der Architektur wird hier in ihr selbst gesucht: in den unterschiedlichen Perspektiven auf das Gebaute und in dessen Zeitlichkeit, aber auch in seiner Wahrnehmung durch die menschlichen Sinne. Diese Konzentration auf das Auge des Menschen als Maß der Betrachtung und seine Position als erdgebundener Beobachter steht in eigenartiger Spannung zur distanzierten Darstellung der Gebäude. Emigholz löst dies in einigen Fällen auf, wie am Beispiel des Steinhauses in Steindorf am Ossiacher See von Günther Domenig zu sehen ist: Die entrückte Präsentation des Gebäudes wird am Ende gebrochen, indem ein Kameraschwenk kurz den Blick auf einen belebten Campingplatz frei gibt.

weitere Infos zum Haus mit der Elefantenhaut
weitere Infos zur Apotheke in Aspern


10. Architekturfilmtage der Bayerischen Architektenkammer »Living Architectures«
Datum: 23. bis 25. April 2010
Zeit: Fr und Sa jeweils 18.30 und 21.00 Uhr, So 11.00 und 18.30 Uhr
Ort: Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum, St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München
Eintritt: 4 Euro (3 Euro für Mitglieder der Bayerischen Architektenkammer und des Münchner Filmzentrums) 
Veranstalter: Bayerische Architektenkammer, Waisenhausstr. 4, 80637 München
Tel: 089-139 88 00, Fax: 089-13 98 80 99, E-Mail: info@byak.de
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