06.03.2015 Emilia Margaretha

Licht und Farbe: Kirche mit Gemeindezentrum in Köln

Mit sparsamen Mitteln und schlichter Formensprache schaffen Sauerbruch Hutton eine transzendente Aura für ihren von altem Baumbestand eingerahmten Neubau der Immanuelkirche in Köln-Stammheim. Architekten: Sauerbruch Hutton, Berlin
Standort: Bonhoefferstr. 8, D–51061 Köln

Foto: Annette Kisling

Der Neubau, der nicht wie im Wettbewerb aus Stahlbeton, sondern letztlich aus Kostengründen in Holzbauweise errichtet wurde, erhält durch den Campanile direkt an der Straße einen unübersehbaren Wegweiser. Der Glockenturm ist wie die Kirche und die kleine Gebetskapelle mit einer diagonalen Holzschalung aus sibirischer Lärche verkleidet. Eine Vergrauungslasur vereinheitlicht das Bild der Fassaden. 

Isometrie, Grafik: Sauerbruch Hutton

Foto: Margot Gottschling

Foto: Annette Kisling

Man betritt das Kirchengebäude über das niedrige Foyer unter der Empore und erlebt dann die volle Höhe des Kirchenschiffs von elf Metern. Die vorgefertigten Holztafelelemente und Stützen sind unverkleidet, die gebürsteten und weiß gewachsten Oberflächen lassen die Maserung des Holzes sichtbar werden. Als Bodenbelag wurde ein heller Sichtestrich eingesetzt. Die Rippenstruktur mit Stützen von 7,5 x 30 cm bildet mit den ausfachenden Platten ein steifes Tragwerk aus Dach und Wandscheiben. Die über dem Foyer ansteigenden Stufenbalken dienen als Sitzbänke der Empore.

Foto: Annette Kisling

Foto: Margot Gottschling

Erdgeschoss, Grafik: Sauerbruch Hutton

Obergeschoss, Grafik: Sauerbruch Hutton

Schnitte, Grafik: Sauerbruch Hutton

Die minimalistische Gestaltung durchbrechen die Architekten mit dem raumhohen Screen aus 3800 farbigen Holzlamellen in 27 unterschiedlichen Farben, der sich hinter dem Altar erhebt und wie ein Vorhang vor der Orgel schwebt. Über dem Altar öffnet sich das »Himmelfenster«. Dieses Oberlicht verstärkt den Effekt der nach oben heller werdenden Farben und erzeugt eine transzendente Aura.

Foto: Annette Kisling

Die Räumlichkeiten können von der Gemeinde je nach Veranstaltung flexibel genutzt werden. Eine in den Screen eingebaute Öffnung erleichtert das Wegräumen des liturgischen Mobiliars, der Altarbereich kann so in eine Bühne verwandelt werden. Seitlich des Altars sind weitere Bereiche durch Faltwände hinzuschaltbar und die lose Bestuhlung kann unterschiedlich angeordnet werden.

Grafik: Sauerbruch Hutton

Foto: Annette Kisling

Natürliches Licht tritt an zwei Stellen in das Hauptschiff ein: Während ein Oberlicht den Altarraum und das farbige »Relief« belichtet, erhellt eine mattierte Scheibe, auf der sich das Schattenspiel der davor stehenden Bäume abzeichnet, den hinteren Kirchenraum über der Empore.
Ein Raster niedrig hängender Leuchten, die eigens für die Kirche entworfen wurden,  gibt dem Raum am Abend eine warme Atmosphäre und der Kirche einen intimen, fast häuslichen Maßstab.

Foto: Annette Kisling

Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer Ausgabe
DETAIL 2014/10 zum Thema »Innenraum und Licht«.
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