23.11.2006

EU-Kommission will Passivhaus Standard vorgeben

IG Passivhaus Österreich fordert rasches Impulsprogramm für Österreich Im Schnitt verheizt ein Bauherr in 40 Jahren seine gesamten Baukosten "Kaum jemand ist sich bewusst, dass in einem durchschnittlichen Gebäude innerhalb von 40 Jahren soviel für Heizkosten aufgewendet wird, wie die gesamten Errichtungskosten betragen haben.

Dabei würden vergleichsweise bei einem Passivhaus die gesamten "Heizkosten" innerhalb von 40 Jahren lediglich soviel wie die Planungskosten, also ein Fünfzehntel ausmachen", rechnet Günter Lang, Geschäftsführer der IG Passivhaus Österreich, die Energievergeudung vor.

Für ein durchschnittliches bestehendes Einfamilienhaus werden die armen Bewohner ohne Sanierungsmaßnahmen in den nächsten 40 Jahren rund 240.000.- Euro für das Beheizen bei lediglich einer 5%-igen jährlichen Heizkostensteigerung aufwenden müssen. Für das gleiche Gebäude, jedoch in Passivhausstandard, bräuchte der Bewohner nur 18.000.- Euro im gleichen Zeitraum - ein beruhigendes Gefühl - wenn man Passivhausbewohner ist!

Eine Situation, die allerdings für Bewohner konventioneller Bauten wie auch volkswirtschaftlich absolut untragbar und nicht mehr lange finanzierbar ist.

EU setzt mit dem EU-Aktionsplan zur Energieeffizienz Maßstäbe für nationale Energiepolitik
Die Europäische Kommission will mit konkreten Zielen und weit reichenden Maßnahmen zur Energieeinsparung die Energierechnungen der europäischen Verbraucher um 100 Milliarden Euro pro Jahr senken. Im Mittelpunkt des Aktionsplans stehen "dynamische Anforderungen an die Energieeffizienz von Produkten, Gebäuden und Dienstleistungen".

Für die EU-Kommission ist klar - das Passivhaus muss Standard werden
Bei Gebäuden will die Kommission den Passivhaus-Standard vorgeben und auch für den Gebäudebestand strengere Anforderungen bei Sanierungen stellen. Damit würde bei Neubauten der Heizwärmebedarf mit max. 15 kWh/m²a nach Passivhaus Institut nur einem Fünftel von heutigen Neubauten entsprechen.

Kraftfahrzeuge sollen ebenfalls sparsamer werden. So soll ein durchschnittlicher Flottenverbrauch von 4,5 Litern auf 100 km bis 2012 erreicht werden. Zudem ist auch hier ein klares Kennzeichnungssystem wie bei den Elektrogeräten geplant. Während gemäß EU-Kommission der Energieausweis bei Neubauten einheitlich seit 01.01.2006 vorgeschrieben wäre, hat dies Österreich bis heute versäumt entsprechend umzusetzen.

Ein klares Bekenntnis zu dem jetzt vorgelegten Aktionsplan und eine konsequente Umsetzung der bereits vorliegenden Richtlinien sei hierfür das richtige Signal.

Österreich hinkt dem EU-Aktionsplan hinterher
Doch anstatt engagierte Lenkungsmaßnahmen zu setzen, wie sie im EU-Aktionsplan vorgeschlagen werden, hat sich in Österreich bisher weder die bisherige Bundesregierung noch die Wohnbauförderstellen der Länder zu richtungweisenden Programmen durchringen können. Dabei würden solche Maßnahmen äußerst positive Effekte für Österreichs Wirtschaft und Bevölkerung bedeuten, wie die jüngste Studie der IG Passivhaus Österreich auf www.igpassivhaus.at zeigt.

Bis zum Jahr 2020 könnte durch den Passivhausstandard soviel Energie eingespart werden, wie vergleichsweise 23 Donaukraftwerke á la Freudenau an Energie erzeugen, oder 2,3 Millionen PKW pro Jahr an Treibstoff verbrauchen. Diese Passivhausoffensive würde zudem in Summe 500.000 zusätzliche Arbeitsplätze in Österreich schaffen, und unsere CO2-Bilanz um 6,2 Millionen Tonnen verbessern.

Vorarlberg zeigt wie es geht
Lediglich Vorarlberg zeigt wieder einmal vor, was politisch umsetzbar ist. Der Vorarlberger Wohnbaulandesrat Rein hatte vor vier Monaten mit den gemeinnützigen Bauträgern vereinbart, ab 1. Jänner 2007 das Passivhaus als Mindeststandard im mehrgeschossigen Wohnbau einzuführen. Mit großem Erfolg, wie sich bereits zwei Monate vor in Kraft treten der Vereinbarung zeigt.

Nicht nur, dass sofort alle gemeinnützigen Bauträger ihre laufenden Planungen auf Passivhausstandard umgestellt haben, ist mittlerweile auch ein Gutteil der privaten Bauträger, welche von dieser Maßnahme gar nicht betroffen wären, auf den Zug aufgesprungen. Auch sie setzen ab sofort auf das Passivhaus, um im zukünftigen Immobilienmarkt nicht auf der Strecke zu bleiben. Ist dies schon ein positiver Vorgeschmack auf den künftigen Gebäudeausweis?

Für die Sanierung von Nachkriegsbauten wurde in Vorarlberg überdies vereinbart, diese zumindest auf 30 kWh/m²a thermisch optimal zu verbessern. "Ist der jährlich steigende Heizkostenzuschuss die Lösung? Wir haben nur dann eine sozial verträgliche Lösung, wenn wir das Problem bei der Wurzel anpacken!", gibt sich Wohnbaulandesrat Rein überzeugt, "Das Passivhauskonzept setzt im Neu- und Altbau mit seiner Energieeffizienzsteigerung um den Faktor 10 die einzig richtigen Schritte!"

Das Ergebnis kann sich jetzt bereits sehen lassen. So stehen alleine beim Vorarlberger Bauträger VOGEWOSI gerade 3 Neubau Wohnhausanlagen auf Passivhausstandard und 4 Altbausanierungen von Wohnhausanlagen auf rund 20 kWh/m²a unmittelbar vor Baubeginn. Vergleichsweise wurde in ganz Oberösterreich im letzten Jahr nur eine einzige Wohnhausanlage auf Passivhausstandard saniert.
"Wir dürfen gespannt sein, welche Bundesländer als nächste dem Vorbild Vorarlberg und dem EU-Aktionsplan folgen, und welche Bundesländer zu den Schlusslichtern zählen. Die neue Bundesregierung, wer immer ihr angehören wird, ist ebenfalls aufgefordert rasche Maßnahmen zur Umsetzung zu ergreifen. Die öffentlichen Bauten müssen dabei auch endlich eine Vorbildfunktion übernehmen", fordert Günter Lang.

Quelle: IG Passivhaus Österreich

Foto: Villeroy & Boch

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Photo: Villeroy & Boch

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