07.10.2010

Forschungsgebäude in Saarbrücken

Für die Universität des Saarlandes in Saarbrücken planten Simon Freie Architekten BDA ein neues Forschungsgebäude. Städtebaulich sollte sich der Baukörper in die orthogonale Struktur der bestehenden Campus-Architektur einfügen, organisatorisch galt es, die Anforderungen von zwei voneinander unabhängigen Instituten in einem Gebäude bestmöglich zu berücksichtigen.
Funktionalität, Flexibilität und Kommunikation lauten die zeitgemäßen Parameter für den Neubau von Institutsgebäuden. Diese bestmöglich zu erfüllen und der zunächst nüchtern anmutenden Bauaufgabe eine eigene Identität und Architektursprache zu verleihen, war die Aufgabe, der sich Simon Freie Architekten im Rahmen eines zweistufigen Realisierungswettbewerbs stellten. Entstanden ist ein eleganter, kubischer Baukörper, der sich durch die Übernahme der Höhe sowie der nördlichen und südlichen Gebäudekanten am Bestandsgebäude der Fakultät für Pharmazie orientiert und sich wie die übrigen Campusgebäude locker in die bewegte, parkähnliche Topografie des Campus einfügt. Der zwischen den beiden Gebäuden bestehende Geländeversprung wurde mit einer Böschungswand gefasst und ermöglicht somit den Zugang zum Neubau über einen Steg ins 1. Obergeschoss und die natürliche Belüftung und Belichtung der westlichen Erdgeschossräume.
Das neue Forschungsgebäude beherbergt das Institut für Pharmazeutische und Medi­zinische Chemie, den Lehrstuhl für Pharmazeutische Biotechnologie sowie selbstständig forschende Nachwuchsgruppen, in denen Studenten und freie Mitarbeiter zeitlich begrenzt an speziellen Schwerpunktthemen arbeiten. Die interne Organisation sieht daher die beiden voneinander getrennten In­stitute im 2. Obergeschoss und im Erdgeschoss vor, im 1. Obergeschoss sind die Räume für die Nachwuchsgruppen, die beiden Instituten zugeordnet sind, untergebracht. Die Grundrissaufteilung folgt einem strengen Raster, nach dem die 38,8 x 35,05 m große Fläche in vier von Westen nach Osten verlaufende Nutzungsbänder zoniert wird. Dazwischen liegen jeweils Erschließungsstreifen. Das südlichste Band dient der reinen Büronutzung, daran anschließend finden sich die vertikalen Erschließungselemente und Versorgungseinheiten. Am östlichen Ende liegt ein dem jeweiligen Institut zugeordneter Seminarraum. Die beiden Nutzungsbänder in der nördlichen Gebäudehälfte sind zu einer »offenen Laborlandschaft« zusammengefasst, die den momentanen Bedürfnissen entsprechend durch leichte Trennwände unterteilt ist. Dies, und eine offene Installationsführung schaffen Flexibiliät auch in Hinblick auf zukünftige, eventuell veränderte Abläufe und Arbeitsmethoden.

Das Konzept ermöglicht zudem einen höheren Anteil an Arbeitsplätzen mit Tageslichtnutzung als es bei einer Einzelraumlösung möglich wäre. Abgeschlossene Labore und Messräume ohne Tageslichtnutzung liegen dementsprechend entlang der Trennwand zum Flur. Konstruktiv handelt es sich um einen, für Institutsgebäude typischen Stahlbeton-Skelettbau. Die horizontale Aussteifung gewährleisten der zentrale Kern und die beiden Versorgungsschächte. Dem »cleanen« Charakter des Gebäudes entspricht die Ausführung der Decken, Stützen und Wände der Treppenhäuser und des zentralen Kerns in Sichtbeton SB 3, der mit nicht saugender Schalung ausgeführt wurde. Das Schalungsraster der Decken wurde mit 360 x 115 cm auf die Einteilung der Labormöblierung angepasst. Auch die Pfosten-Riegel-Fassade spiegelt die innere Aufteilung wider. So bildet die vertikale Fassadeneinteilung von 345 cm an der Nord- und Südfassade das Raster der Laborzeilen bzw. der Büroeinteilung ab, wohingegen der Pfostenabstand von 360 bzw. 180 cm an der Ost- und Westfassade die bandartige Aufteillung der Grundrisse ablesbar macht. Die Verkleidung der Attika und der Brüstung mit dunklen, nicht sichtbar befestigten Harz-Komposit-Platten sowie die Verwendung von flachen integrierten Andruckleisten mit einer Ansichtsbreite von 42 cm im Bereich der Verglasung, führen zu einer relativ ebenen schattenlosen Ansicht mit bandartiger Optik, die zum Gesamtkonzept passt.

Mit einer nächtlichen Rückkühlung der Sichtbetondecken und massiven Bauteile, die über eine automatische Steuerung der Öffnungsflügel geregelt wird, der Wärmeschutzverglasung, einem außenliegenden Sonnen- und einem innenliegenden Blendschutz trägt das Gebäude auch den aktu­ellen Anforderungen an energieeffizientes Bauen Rechnung.

Die Innenräume werden durch eine klare Gliederung und glatte Oberflächen bestimmt. Foto: David Franck, Ostfildern

Projektdaten
Bauherr: Saarland Ministerium der Finanzen, vertreten durch Landesamt für Zentrale Dienste, Amt für Bau und Liegenschaften, Sachgebiet E4 Hochschulbau
Architekt: SFA Simon Freie Architekten BDA, Stuttgart
Mitarbeiter: Yvonne Schindler, Bettina Paucke, Johannes Michel, Phillipp Laube
Bauleitung: Stolpe & Ruck Planungsgesellschaft mbH, St. Ingbert
Tragwerkplanung: Schweitzer Ingenieure, Saarbrücken
Heizung, Lüftung, MSR: Techno Plus, Saarbrücken
Laborplanung: Dr. Heinekamp Labor- und Institutsplanung, Karlsfeld
Sanitärplanung: SHT Ingenieure, Losheim
Elektroplanung: PKC Ingenieure, Wadgassen
Brandschutzkonzept: HHP Süd, Ludwigshafen
Kunst am Bau: Werner Constroffer, Saarbrücken

Produkte und Hersteller
Pfosten-Riegel-Fassade: Wictec 50,Wicona, www.wicona.de
Klappflügel Oberlicht, Außentüren: Wicline 77, Wicona, www.wicona.de
Schiebetüranlage: Slimdrive SL-FR, Geze GmbH, Leonberg, www.geze.de
Kettenmotore Klappflügel: Esco Metallbausysteme GmbH, Ditzingen, www.esco-online.de
Fassadentafeln: Meteon, Trespa Deutschland GmbH, Frechen, www.trespa.com
Sonnenschutz außen: Vertikal-Jalousien, Warema Renkhoff SE, Marktheidenfeld, www.warema.de
Blendschutz innen: Rollo-System mit Kettenzug, Silent Gliss GmbH, Weil am Rhein, www.silentgliss.de
Türschließer Außentüren: TS 93, Dorma Holding GmbH + Co. KGaA, Ennepetal, www.dorma.de
Trockenbau: Knauf Gips KG, Iphofen, www.knauf.de
Innenanstrich: Brillux GmbH & Co. KG, Münster
Beschläge Innentüren:
Griffe, Drücker: FSB – Franz Schneider Brakel GmbH + Co. KG, Brakel, www.fsb.de
Türschließer: Dorma Holding GmbH + Co. KGaA, Ennepetal, www.dorma.de
Bodenbeläge:
Kunststein Flure, Foyer, Semiarraum: Agglotech Deutschland GmbH, Ellwangen, www.agglotech.com
Fliesen Sanitärräume: Pro Architectura new, Villeroy & Boch AG, Mettlach, www.villeroy-boch.com
Linoleum Büro: Colorette, Armstrong DLW GmbH, Bietigheim-Bissingen, www.armstrong.de
Kautschuk Labor: Noraplan Logic, Nora Systems GmbH, Weinheim, www.nora.com
Sanitärausstattung:
Waschtische: Quadro, HighTech Design Products AG, München,
www.hightech-design-products.com
Handtuch-/Seifenspender: Wagner Ewar – Ernst Wagner GmbH & Co. KG, Reutlingen, www.wagner-ewar.de
WC: Duraplus, Duravit AG, Hornberg
WC Betätigungsplatte: Skate, Grohe Deutschland Vertriebs GmbH, Porta Westfalica, www.grohe.de
Accessoires: Keuco GmbH & Co. KG, Hemer, www.keuco.de
Innenleuchten: Panos, Zumtobel Lighting GmbH, Dornbirn, www.zumtobel.de; ALI, Ridi Leuchten GmbH, Jungingen, www.ridi.de
Außenleuchten: Bega, Menden, www.bega.de; iGuzzini Illuminazione Deutschland GmbH, Planegg, www.iguzzini.com

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