31.03.2009

Fußgängerdrehbrücke für norddeutschen Traditionshafen

In Bremerhaven verbindet eine gläserne Fußgängerbrücke über dem Hafenbecken die neuen Publikumsmagneten Klimahaus und Columbus Center. Rund 330 GEWE-safe®-Scheiben unterschiedlicher Formate von SCHOLLGLAS schützen die Passanten vor der Witterung.

Bremerhaven kann auf eine 200 Jahre alte Geschichte als einer der wichtigsten Seehäfen Europas zurückblicken. Im Zuge der Stadtentwicklung werden seit einigen Jahren die traditionsreichen Flächen rund um die beiden ältesten Hafenbecken der Stadt neu erschlossen. Auf einem 60 Hektar großen Areal entsteht eine spannende Mischung aus Angeboten, die auf den modernen Tourismus zugeschnitten sind, und Bauwerken, die die Geschichte Bremerhavens weiterhin erlebbar machen. So sind Teile der alten Hafenanlagen erhalten geblieben. Der alte Hafen dient noch als Museumshafen, umgeben vom Deutschen Schifffahrtsmuseum und dem alten Speicher. Dazu gesellen sich nun auf der Südseite des Hafenbeckens das Columbus Center für ausgiebiges Shoppen und, auf der gegenüberliegenden Beckenseite, die Havenplaza, sowie, als wohl größte Attraktion, das Klimahaus® Bremerhaven 8° Ost, in dem verschiedene Klimazonen der Erde, große Aquarien und vieles mehr erlebt werden können.

Die Stadt wollte ihren Gästen eine regensichere Verbindung zwischen der publikumsträchtigen Shopping Mall Columbus Center auf der Südseite des Hafenbeckens und der Eingangsebene des Mediterraneos und des Klimahauses sowie der Deichpromenade bieten. Dafür musste der Alte Hafen und die viel befahrene Columbusstraße auf einer Länge von über 100 Metern überquert werden. Eine Herausforderung lag darin, dass der Alte Hafen zwar selten, aber immer noch von Museumsschiffen befahren wird. Die Verbindung musste also zu öffnen sein und sollte auf keinen Fall eine Sichtbarriere im Hafenpanorama bilden.

Die Generalplaner, das Ingenieurbüro WTM ENGINEERS GmbH, Hamburg und das Architekturbüro nps tchoban voss, Hamburg, ließen sich von den früheren Drehbrücken in der Schleusenstraße inspirieren. Sie gestalteten eine dynamisch geschwungene Glasröhre, deren Mittelteil sich, auf einem Pylon gelagert, um 90° drehen lässt. Die Brücke ist als steife Röhre konstruiert und überwindet so die große Spannweite mit nur wenigen Stützen. Im Querschnitt ist die Röhre ellipsenförmig und weitet sich im Durchmesser über dem drehbaren Mittelteil. Konstruiert wurde die Röhre aus einer Gehwegtafel mit insgesamt 5 Längsträgern, die im Abstand von 3,5 Metern durch ellipsenförmige Querträger (Spanten) verbunden sind. In Längsrichtung sind diese Spanten über Druck- und Zugrohre ausgesteift, die gleichzeitig als Unterkonstruktion für die punktgehaltene Verglasung dienen.

Die Besonderheit der Glaskonstruktion, für die SCHOLLGLAS sämtliche Gläser geliefert hat, besteht darin, dass die Brücke vom Drehpunkt aus zu den Ufern in zwei unterschiedlichen Graden bis maximal 3 % geneigt ist. Da die Spanten der Brücke – und damit die vertikalen Glaskanten – jedoch im Lot stehen, werden für alle Gläser unterschiedliche Formate erforderlich. Bei dem sich erweiternden Mittelteil werden daraus sogar trapezförmige Scheiben. So lieferte SCHOLLGLAS 336 Stück verschieden geformte GEWE-safe®-Scheiben aus TVG, ausgestattet mit entsprechenden Lochbohrungen zur Befestigung an den beweglichen Punkthaltern. Zur Vermeidung zu starker Sonneneinwirkung sind über die gesamte Länge jeweils die 5 mittleren Dachscheiben mit einem Punktraster-Siebdruck versehen. Nach eigens erstellten Berechnungen zu Sonneneinfall und Wärmeentwicklung ist das Raster dem Sonnenverlauf folgend asymmetrisch auf dem Profil angelegt und verdichtet sich zum Mittelteilpunkt hin. Entsprechend konnte auch hierfür keine einheitliche Bedruckung erfolgen. Jede Scheibe musste gesondert erstellt werden.

Für die – insbesondere im Sommer – erforderliche Belüftung sowie die Entrauchung im Brandfall sorgen 30 RWA-Lüftungsflügel im Firstbereich der Brücke und Lamellenfenster, die beidseitig über die gesamte Länge am Fußpunkt der Brücke angeordnet sind. Ihre Abmessungen folgen ebenfalls der besonderen Brückengeometrie.

Um den Querschnitt der Röhre nicht einzuschränken und auch die gläserne Leichtigkeit nicht durch Installationseinbauten zu stören, erfolgt die Beleuchtung der Brücke vom Boden aus. Zu beiden Seiten des eigentlichen Gehwegs besteht der Boden aus Glas, das nachts von unten beleuchtet wird. Dafür lieferte SCHOLLGLAS begehbares 3-fach GEWE-safe® aus TVG, auf das ganzflächig ein rutschhemmender (R 13) Siebdruck aufgebracht wurde. So überspannt des Nachts eine Leuchtskulptur den Hafen, in der bizarr von unten bestrahlte Figuren wandeln.


Objekt Fußgängerbrücke Bremerhaven
Generalplaner WTM ENGINEERS GMBH, Hamburg/D
Architekt nps tchoban voss GmbH & Co. KG, Hamburg/D
Fassadenkonstruktion Christophe Lenderoth GmbH, Bremen/D
Glaslieferant Schollglas Technik Sachsen GmbH,
Nossen/OT Heynitz/D

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