29.09.2010

Gut gerüstet für die Zukunft

Er ist für die Zukunft gebaut – das gilt nicht nur für seine Dimensionen, sondern auch für seine Bauweise bis ins kleinste Detail. Das Architekten-Konsortium um den Pritzker-Preisträger Richard Rogers plante das neue Terminal des Madrider Barajas-Flughafens mit dem Ziel, effektiv und wirtschaftlich zu sein und dem wachsenden Fluggastaufkommen gerecht zu werden. Soweit der funkti­onale Anspruch. Vor diesem Hintergrund klingt der soziale Anspruch konträr: Die Passagiere sollen vor allem positive Reiseerfahrungen in einer attraktiven und friedvollen Umgebung erleben. Umgesetzt wurde das Konzept mit naturnahen Formen, viel Tageslicht und überwiegend natürlichen Materialien, die den Menschen ein Gefühl der Ruhe und Weite vermitteln. Beim eindrucksvollen Design des Dachs wird dies besonders deutlich: Für die Deckenverkleidung wählten die Architekten Bambusholz, Synonym für Ruhe und innere Ausgeglichenheit. Die aufwändige Konstruktion aus Moso-Paneelen wird zum Wahrzeichen des neuen Terminals. Das Dach, verbindend und schützend, ist damit das optisch beherrschende Element. Gewaltig spannt es sich über alles. Gestützt von stählernen »Baumstämmen«, spiegelt seine geschwungene Silhouette die umliegenden Berge wider und erinnert an das Blätterdach eine Walds. Der weite Dachüberstand verbindet das Innere des Gebäudes mit der Umgebung. Gleichzeitig schützt er die großen Fensterflächen vor direkter Sonneneinstrahlung und trägt dadurch auf natürliche Weise zur Klimatisierung des Gebäudes bei.

Die Architekten wählten Bambus aber nicht nur aus optischen Gründen. Durch seine technischen Eigenschaften ist es für diesen Einsatz prädestiniert: extrem hart und gleichzeitig geschmeidig. In der Entwicklungsarbeit bei Moso spielte vor allem das zweite Merkmal die zentrale Rolle. Die Deckenpanele mussten ein Maximum an Biegsamkeit erreichen, um sie exakt an die gewellte Form des Daches anzupassen. Gleichzeitig galt es, alle Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Für den Einsatz im neuen Madrider Flughafen-Terminal musste Moso wesentlich Teile des Verarbeitungsprozesses der Bambus-Lamellen verändern. Sicherheitstechnische und bauliche Merkmale stellten erhöhte Anforderungen an das Material. Eine Entwicklungsarbeit von rund zwei Jahren nahmen diese Veränderungen in Anspruch. Dabei flossen Erfahrungen aus unterschiedlichen Anwendungsbereichen ein: So kam der Anstoß für die Lösung letztendlich aus der Entwicklung von Messer-Furnieren mit einer Lamellenstärke von 1 mm. Nur hier ist eine ausreichende Imprägnierung möglich. Nur hier bleibt das Holz elastisch genug für eine Anpassung an das Design der Decke: Der Krümmungsgrad des Deckendesigns variierte laufend und war zudem abhängig von der Unterkonstruktion.

Für die erforderliche Stabilität setzten die Moso-Spezialisten auf einen Multiplex-Aufbau mit mehrschichtig querverleimten Furnieren, die zuvor eine Vakuum-Druck-Imprägnierung durchlaufen haben. Dabei durfte der Aufbau jedoch nicht zu stark sein, da dies wiederum auf Kosten der Flexibilität ging. Das Optimum erreichen die Bambus-Fachleute mit 1 mm starken Lamellen, die zu Paneelen von 5 mm aufgebaut sind. Die sehr flachen Elemente sind damit extrem belastbar, aber hoch flexibel. Sie sind so biegsam, dass sie bei der Montage auf der Baustelle an die Form der Unterkonstruktion angepasst werden können. Damit ist die Optik so exakt, dass eine perfekt geschwungene Linienführung entsteht, die die Wellenoptik noch verstärkt.

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