02.05.2010 Katja Reich

Libeskind in Serie - exklusive Villen mit nachhaltiger Gebäudetechnologie

Daniel Libeskind steht in erster Linie für den Entwurf und die Umsetzung spektakulärer urbaner Projekte. Interessant daher seine kürzliche Auseinandersetzung mit einem
Architekturobjekt in deutlich kleinerem Maßstab – dem Prototypen eines Wohnhauses. Konzipiert für eine limitierte Kleinserie von 30 Stück weltweit, will die so genannte »Libeskind-Villa« den Spagat zwischen reproduzierbarem Konzept und individueller Anpassung an Nutzer und Umgebung schaffen. Das Gebäude soll damit exemplarisch für einen neuen, exklusiven Typus Wohnhaus stehen, den die Berliner proportion GmbH im Rahmen ihrer »Signature Series« mit international renommierten Architekten konzipiert und vertreibt. Ein besonderes Augenmerk lag bei dem Entwurf – neben dem kraftvollen Design, das eindeutig die Handschrift Libeskinds trägt und Reminiszenzen an frühere Objekte erkennen lässt – auf dem Aspekt Nachhaltigkeit und dem Einsatz modernster Technologien. Von der Idee her versteht sich das Gebäude als skulpturales Kunstwerk, das durch ein detailliertes Zusammenspiel hochwertiger Materialien, die Wechselwirkung von Licht und Schatten sowie atmosphärische Raumeindrücke und -übergänge mit seinem Nutzer und der Umgebung in Beziehung steht.

Foto: Frank Marburger

Wie flexibel das Konzept sein kann, zeigt bereits der ungewöhnliche Entwicklungsprozess des Prototyps. Als neues Empfangs- und Ausstellungsgebäude des Unternehmens Rheinzink stellt bereits er eine Modifikation des Gebäudetyps Wohnhaus dar, an dem in einigen Bereichen nutzungsspezifische Anpassungen vorgenommen wurden. Die Eingangshalle fungiert als Empfang und Foyer. Von hier aus führt eine als frei schwebendes Faltwerk ausgeführte Treppe ins Obergeschoss, in dem sich mehrere Besprechungsräume befinden. Im Erdgeschoss liegen ein weiterer Besprechungsraum, Technikräume und der zur Einfahrt zum Werk hin orientierte Raum für den Werkschutz. Über das Foyer erreicht der Besucher das eigentliche Herzstück der Libeskind-Villa – den »Grand Room«. Der bis zu 7 m hohe Raum mit gewaltigen Fensterflächen und einem dramaturgisch gesteigerten Deckenverlauf strahlt Dynamik aus. Das Unternehmen will ihn für Veranstaltungen und Ausstellungen nutzen.

Foto: Frank Marburger

Allein die formale Extravaganz der Libeskind-Villa dürfte jedoch nicht ausreichend sein, weitere potenzielle Bauherren von der eigenen Umsetzung des Konzepts zu überzeugen – auch wirtschaftlich und ökologisch gesehen, muss sich ein solches Bauvorhaben heute rechnen. Dafür sollen eine nachhaltige Bauweise in Holzrahmenkonstruktion, der Einsatz qualitativ hochwertiger Werkstoffe und ein umweltbewusstes Energiekonzept sorgen. Der nachwachsende Rohstoff Holz ist für die vorgefertigte Bauweise der Kleinserie bestens geeignet. Da die Wände sowohl horizontal als auch ver­tikal schräg verlaufen und keine Wand in Form und Größe der anderen gleicht, bilden eine detaillierte Werkplanung und der passgenaue Zuschnitt sämtlicher Holzbauteile die Voraussetzung für die Vorfertigung der Wandelemente. Die Umsetzung erfolgt mit modernen CNC-Maschinen – eine hohe Maßhaltigkeit sowie kurze Bauzeiten sind damit garantiert.

Foto: Frank Marburger

Außenwände und Dachflächen sind voll­flächig mit Mineralwolle-Dämmstoffen der Wärmeleitgruppe 032 ausgefacht und mit 80 mm starken Holzweichfaserplatten, geschlossen. Eine Konterlattung sorgt für die nötige Hinterlüftung der Fassadenbekleidung und dient als Untergrund für die Putzträgerplatten bzw. die OSB-Platten, auf denen die Verkleidung aus Titanzink montiert wurde. Das Gebäude entspricht dem KfW-40-Standard. Planung und Konstruktion der Gebäudehülle verfolgen das Ziel, Wärmeverluste über die Außenwände, das Dach und gegen das Erdreich so gering wie möglich zu halten. Die Anforderungen der EnEV 2007 und 2009 für Nichtwohngebäude werden deutlich unterschritten. Die Rheinzink-Fassade ist für die Libeskind-Villa übrigens weit mehr als eine schmückende Hülle. Als integraler Bestandteil des innovativen Dach- und Fassadenkonzepts mit einer von außen nicht sichtbaren Solarthermieanlage, sorgt sie in Kombination mit einem Erdwärmeabsorber und der Wärmepumpentechnologie für ein nachhaltiges Heizsystem.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des energetischen Gesamtkonzepts ist der im Erd- und Obergeschoss verlegte Klimaboden, der sowohl zum Heizen als auch zum Lüften dient. Bei Bedarf lässt er sich auch nachträglich noch zu einem effizienten Kühlboden mit Quelllüftung ausbauen. Diese Verbindung mehrerer Funktionen gehört wie das Prinzip der Nachhaltigkeit bei der Libeskind-Villa zu den Grundcharakteristika der eingesetzten Baumaterialien. So wurde beispielsweise bei den Beschichtungen für Wände und Decken auf eine zusätzliche Schalldämmung und Klimaregulierung geachtet, moderne Elektroinstallationen und Leuchten verbinden intelligente Gebäudetechnik mit Komfort, Sicherheit und Ästhetik. Geradezu selbstverständlich erscheint der Einbau einer Regenwassernutzungsanlage.

Ob der Prototyp nicht nur den Architekten und die beteiligten Unternehmen zu überzeugen weiß, sondern auch die Kraft besitzt, die Vermarktung der geplanten Wohnhäuser anzukurbeln, wird sich jetzt zeigen müssen. Im Tessin wurde von Wetag Consulting inzwischen ein Grundstück bereit gestellt, auf dem die exklusive Villa jetzt einer design- und architekturinteressierten Kundschaft erstmals zum Verkauf angeboten wird.
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