07.02.2014 Peter Popp

Rautenförmiger Trägerrost: Mehrzweckhalle in Neckartailfingen

Für das gestaltprägende Dachtragwerk der neuen Festhalle hatten die Architekten
Ackermann + Raff ein Bild sich überlagernder Äste und Zweige vor Augen.
Architekten: Ackermann + Raff, Stuttgart
Standort: Alleenstraße, 72666 Neckartailfingen

Haupteingang, Foto: Thomas Herrmann

In die einzelnen Rautenfelder sind Deckensegel aus weiß lasierten Holzplatten eingefügt, die geneigt angeordnet sind. Die Neigungsrichtung wechselt zwischen den Feldern, so dass eine lebendige Deckenlandschaft entsteht. Die Deckensegel dienen der Raumakustik und verdecken die Installationen innerhalb der Dachkonstruktion.

Dachtragwerk Untersicht

Fotos: Thomas Herrmann

Knapp 25 Kilometer südlich von Stuttgart liegt die 4000 Einwohner zählende Gemeinde Neckartailfingen. Der Ort hat sich parallel zum Fluss entwickelt. Folgerichtig liegt ein konzeptueller Schwerpunkt für die neue Festhalle darin, vorhandene Qualitäten zu stärken und den Fluss für Besucher und angrenzende Bewohner erlebbar zu machen. Das Gebäude bildet konsequenterweise eine Klammer zwischen Neckar und altem Ortskern. Die wichtige Neckarstraße wird an die Nordwestseite des neuen Gebäudes verlegt. Dadurch erfolgt eine deutliche Aufwertung des angrenzenden, sich bis zur Reutinger Straße erstreckenden Grünbereichs. Ein Fussweg führt auf den neu geschaffenen Freibereich vor dem Haupteingang zur Festhalle und nachfolgend auf den direkt angenzenden Festplatz.

Isometrie, Grafik: Ackermann + Raff

Perspektive, Grafik. Ackermann + Raff

Die neue Festhalle gliedert sich in zwei nach außen klar ablesbare Gebäudeteile: Der geschlossene Bereich im Norden orientiert sich zum alten Ortskern. Hier befinden sich der Bühnebereich mit allen dafür notwendigen Funktionen, sowie ein zum Festplatz orientierter Mehrzweckraum. In diesem Bereich ist die Fassade genau wie die Außenseite der an drei Seiten überstehenden Dachkonstruktion mit hinterlüfteten Faserzementplatten verkleidet.

Eine schwarz lasierte Sichtbetonwand trennt den Bühnenbereich vom Saal. Foto: Thomas Herrmann

Hinterlüftete Faserzementplatten bekleiden den geschlossenen Gebäudeteil. Foto: Thomas Herrmann

Grundriss Erdgeschoss, Grafik: Ackermann + Raff

Aufsicht Dachtragwerk, Grafik: Ackermann + Raff

Längsschnitt, Grafik: Ackermann + Raff

Südansicht, Grafik: Ackermann + Raff

Ein geschliffener Sichtestrich verbindet als durchgängiger Bodenbelag die öffentlichen Bereiche wie Foyer, Saal und Mehrzweckraum. Großzügig umlaufende Verglasungen prägen den Charakter der Festhalle und lassen die öffentlichen Bereiche ins Gebäude fließen. Im Kontrast dazu steht der Baukörper für den Küchen- und Sanitärbereich, verkleidet mit dunkel gebeizten Leimholzplatten aus Eiche. 

Die Festhalle wird durch großzügige Verglasungen im Bereich des Saals und des Foyers geprägt. Als durchgängiger Bodenbelag dient ein geschliffener Sichtestrich. Foto: Thomas Herrmann

Gang zwischen Mehrzweckraum und Foyer, nach rechts blickt man auf den Festplatz. Foto: Thomas Herrmann

Die zweiachsig gespannte Konstruktion aus sichtbarem Leimholz liegt auf der Bühnenwand und dem eingestellten Baukörper für den Küchen- und Sanitärbereich auf. Entlang der Fassade wird das Tragwerk von Stahlbetonverbundstützen gestützt. Die Hauptträger bestehen aus einem Unter-, Mittel- und Obergurt, die kraftschlüssig miteinander verschraubt sind. Zwischen die Hauptträger sind einteilige Nebenträger eingefügt. Über verdeckt eingebaute Stahlbleche an den Knotenpunkten entsteht ein Flächentragwerk.  

Knotenpunkt Trägerkreuz, Grafik: Ackermann + Raff

Untersicht der Decke mit Deckensegeln aus weiß lasierten Holzplatten, Foto: Thomas Herrmann

Wettbewerb: 2009, 1. Preis
Ausführung: 09/2011 – 09/2013

Bruttogrundfläche: 1.120 m²
Bruttorauminhalt: 7.705 m³
Baukosten: ca. 3.4 Mio Euro

Bauherr: Gemeinde Neckartailfingen

Tragwerksplanung:
Weischede, Herrmann und Partner, Stuttgart
Baufirma: Daldrop + Dr. Ing Huber, Neckartailfingen; Wiehag, A-Altheim; Seyfried + Wiedemann, Frickenhausen
Der Bereich des Veranstaltungsraums dagegen ist umlaufend transparent und öffnet sich in Richtung der Freibereiche Fluss, Festplatz und Park. Darin eingestellt befindet sich ein Block mit dienenen Funktionen. Bei Festveranstaltungen mit Festzelt können die Küche und die Sanitärräume der Halle auf kurzem Weg mitgenutzt werden.

Die Halle öffnet sich großzügig in Richtung der Freibereiche. Foto: Thomas Herrmann

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Ein ausladendes Dachtragwerk dominiert das Gebäude und prägt dessen Gestalt. Für die Konzeption ließen sich die Architekten von einem Bild sich überlagernder Äste und Zweige inspirieren und entwickelten daraus einen rautenförmigen Trägerrost.

Foto: Thomas Herrmann

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