27.09.2006

Revitalisierung einer historischen Konservenfabrik erhält Niedersächsischen Staatspreis für Architektur 2006

Bauministerin Ross-Luttmann zeichnet im Landtag den Umbau des Kastanienhofs in Braunschweig mit dem Staatspreis für Architektur aus.

Der Niedersächsische Staatspreis für Architektur, der 2006 unter dem Thema "Wohnen und Arbeiten im Quartier – Neue Formen der Nutzungsmischungen unter besonderer Berücksichtigung des Lebens mit Kindern" stand, geht an das Projekt Kastanienhof, das vom Bauherren Nils Könekamp in einer engen interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Architekten und Ingenieuren verwirklicht wurde. Bauministerin Mechthild Ross-Luttmann zeichnete die am Projekt Beteiligten am 20. September 2006 bei einem Festakt im Niedersächsischen Landtag aus.

Bauministerin Mechthild Ross-Luttmann erläuterte: "Der demografische Wandel stellt uns auch bei der Stadtplanung vor große Herausforderungen. Wir sollten uns nicht allein auf den wachsenden Anteil der älteren Bevölkerung konzentrieren, sondern auch deutlich machen, dass wir verstärkt Familien in den Fokus stellen. Das heißt, wir haben Beiträge gesucht, die gute Beispiele für ein attraktives Umfeld für Eltern mit Kindern aufzeigen. Mit einer Kombination von Wohnen und Arbeiten sollen die Lebensbereiche wieder näher zusammengeführt und lebendige Stadtquartiere geschaffen werden."

Der Präsident der Architektenkammer Niedersachsen Wolfgang Schneider betonte in seinem Grußwort, dass der Staatspreis für Architektur die Menschen dazu bringen muss, über Architektur stärker zu diskutieren.
Der Staatspreis, höchste Architekturauszeichnung des Landes, wurde in diesem Jahr zum sechsten Mal vergeben, zum dritten Mal in Kooperation zwischen dem Land und der Architektenkammer Niedersachsen. Eine hochkarätig besetzte Jury, unter Vorsitz von Architekt Prof. Walter Stamm-Teske von der Bauhaus-Universität Weimar, hatte den Preisträger nach zwei Sitzungen und einer Objekt-Exkursion ermittelt.

Der Kastanienhof überzeugte die Jury vor allem durch den Umgang der Planer mit der vorhandenen Bausubstanz. Mit großem Respekt vor der alten Bausubstanz und den historischen Nutzungen ist es bei einer hohen Feinfühligkeit gelungen, in die alte Konservenfabrik vitale und vielfältige Nutzung zu integrieren. Büro, Handwerk und Wohnen begegnen sich hier ganz selbstverständlich im Miteinander. Dabei gelingt es mit beeindruckendem Engagement und Willen der Bauherren, Räume zu entprivatisieren und mit dem öffentlichen Straßenraum zu vernetzen. So wird ein neues lebendiges Stück Stadt hinzugewonnen, das nicht nur den direkten Nutzern, sondern auch der Nachbarschaft dient, lobte das Preisgericht. Besondere Anerkennung fand auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Architekt und Ingenieur.

Für den Staatspreis nominiert wurde außerdem das Henriettenviertel in Hannover von AGSTA Architekten und Ingenieure aus Hannover, das "Familiales Domicil" in Lehrte-Kolshorn von Architekt Dipl.-Ing. Eckhard Habermann aus Lehrte, das Projekt der Baugruppe Sedanstraße von Architekt Dipl.-Ing. Helmut Rentrop aus Hannover und "bed by night", eine Einrichtung zur Versorgung von Straßenkindern in Hannover, von Architekt Prof. Han Slawik aus Hannover.

Das Umnutzungsprojekt eines ehemaligen Militär-Spitals zeigt einen konstruktiven und kreativen Umgang mit vorhandener Bausubstanz auf. In seiner Vielfalt aus Wohnen, Dienstleistung und sozialen Einrichtungen wie der Kindertagesstätte werden AGSTA Architekten und Ingenieure dem Anspruch an eine Nutzungsmischung gerecht, so die Jury.

Dem Architekten Eckhard Habermann ist eine schöne, fast nüchterne, würdige Architektur, die sich trotz aller Andersartigkeit wie selbstverständlich in den dörflichen Kontext einfügt, gelungen. Das sehr private Projekt des Bauherrn ist ein gelungener Ausdruck für Mehrgenerationen-Wohnen, das einen Bewohner mit Körperbehinderung und eine ältere Bewohnerin integriert. Die Ansprüche an Gemeinsamkeit und Eigenständigkeit sind hervorragend gelöst, lobt die Jury.

Zwei weiße Kuben des Architekten Helmut Rentrop komplettieren mit insgesamt acht Wohnungen eine vorhandene Blockbebauung. Zwischen den Kuben befindet sich ein als Garten angelegter Innenhof mit Raum für gemeinschaftliche Aktivitäten und Spielmöglichkeiten für Kinder. Die Jury findet vor allem die starken gemeinschaftlichen Aktivitäten der Bewohner, von der Projektentwicklung bis zur Freiraumnutzung, bemerkenswert, die das Projekt zu einem lebendigen Stadtbaustein mache.

Das Projekt bed by night würdigt die Jury als einen herausragenden Wettbewerbsbeitrag zum Thema Umnutzung und Schwinden unserer Städte, temporäre Architektur mit viel Charme. Das Provisorium aus gestapelten farbigen Containern, ein Schutzraum für Straßenkinder, liegt im Park wie eine Folie mit ganz neuer Bedeutung. Dadurch wird es trotz des herausfordernden Inhalts von der Nachbarschaft akzeptiert.

Alle zur Nominierung vorgeschlagenen Objekte der engeren Wahl werden in einer Dokumentation veröffentlicht und in einer Wanderausstellung an verschiedenen Standorten Niedersachsens gezeigt. Erste Station der Ausstellung ist die Architektenkammer Niedersachsen. Vom 25. September bis 13. Oktober sind die ausgezeichneten Arbeiten zu sehen:

Laveshaus, Friedrichswall 5, 30159 Hannover, jeweils montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr, freitags von 9 bis 12 Uhr.

Quelle: Architektenkammer Niedersachsen

Foto: AURO AG, www.auro.de

Foto: AURO AG, www.auro.de

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