02.11.2017

Traditionelle Putztechniken für die Fassade neu interpretieren

Durch zahlreiche Verarbeitungstechniken bieten mineralischen Edelputze eine große Bandbreite an Gestaltungsmöglichkeiten, die aber häufig auf Filz-, Scheiben- oder Reibeputz als Standard reduziert werden. Jenseits dieser baulichen Monokulturen kann die Neuinterpretation traditioneller Putztechniken individuelle Fassaden hervorbringen. Dabei schließen traditionelle Oberflächen den Einsatz moderner Baustoffe nicht aus.

Edelkratzputz
Edelkratzputze bieten die Möglichkeit, unterschiedliche Körnungen frei an der Oberfläche zu präsentieren. Die Auftragsstärke des Putzes beträgt 10 bis 15 mm. Nach einer bestimmten Erhärtungszeit wird die bindemittel- und spannungsreiche Oberfläche mit einem Nagelbrett, dem sogenannten Kratzigel, bis auf eine Schichtdicke von
8 bis 10 mm abgekratzt. Durch das herausspringende Korn entsteht so die charakteristische gekratzte Putzstruktur (Foto 1).

Besenstrichputz
Bei der Besenstrich-Technik wird ein dickschichtiger mineralischer Oberputz in zwei Lagen von je 2 bis 3 mm Dicke aufgetragen und noch im frischen Zustand mit einem einfachen Straßenbesen mit Kunststoffborsten horizontal gestrichen. Dies ergibt eine geometrisch anmutende, kraftvolle und zugleich filigrane Reliefstruktur, die sich hervorragend mit einer modernen Architekturgestaltdung kombinieren lässt (Foto 2). Durch das Spiel von Licht und Schatten auf der Besenstrich-Struktur wirkt die Fassade immer wieder anders.

Spritzputz
Um eine lebhafte Fassadenoberfläche herzustellen, eignet sich insbesondere der Spritzputz. Er lässt sich einfach maschinell aufbringen. Dafür wird ein feinkörniger, dünnflüssiger Mörtel zwei- oder mehrmals auf die Hauswand aufgespritzt. Die finale Struktur lässt sich durch die Kornstärke des Materials bestimmen.

Schleppputz
Mit dem Schleppputz lässt sich je nach Kornabstufung eine individuelle Struktur
erzeugen, die an organische Formen wie Wachs oder Rinde erinnert (Bild 3). Die Formen entstehen, indem der auf ebenen Unterputz vollflächig geworfene oder aufgezogene Mörtel mit einer Kartätsche oder einer Putzlatte bei schwachem, gleichmäßigem Druck senkrecht überzogen wird. Dabei wird das Material von unten nach oben so über das Strukturkorn geführt, dass dieses auf dem Untergrund mit rollt. Die entstehende Struktur kann entweder so belassen oder optisch etwas weicher gestaltet werden, indem sie danach nochmals mit einem Quast horizontal gestrichen wird.

Steinputz
Mit Steinputzen lassen sich Oberflächen herstellen, die den Eindruck einer nahezu fugenlosen Steinfassade vermitteln. Das Material wird in 6 bis 10 mm Dicke aufgezogen, mit der Glättkelle plan verzogen und im Anschluss flächig verrieben. Nach erstem Ansteifen kann – zur besseren Steinsichtigkeit – die Oberfläche gewaschen werden. Anschließend wird dem Putz nach historischen Vorlagen eine spezielle Optik gegeben. Dabei bedient man sich traditioneller Techniken der Steinmetze wie Scharrieren, Stocken, Schleifen oder Sandstrahlen, was zu der charakteristischen unregelmäßigen Struktur und Farbgebung führt. Steinputz kommt vorrangig bei Türeinfassungen, Eck- und Sockelquadern oder Fenstersohlbänken zum Einsatz. www.sg-weber.de
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