01.03.2022 Heide Wessely

Weißer Turm am Julierpass

© Benjamin Hofer

In Mulegns überschlagen sich die Ereignisse. Der kleine Ort mit nur 16 Einwohnern bietet in puncto Architektur mehr als manche Großstadt. Über die Verschiebung der Weißen Villa haben wir bereits berichtet. Nun wurde noch ein altehrwürdiges Hotel neu eingeweiht und ein gedruckter Turm aus weißem Beton vorgestellt.

© ETH Zürich

Lange waren die Pläne geheim. Nur unter vorgehaltener Hand erzählte Giovanni Netzer, Intendant des Theaterfestivals Origen von den Plänen für einen Turm in Mulgens. Er will den sterbenden Ort mit Kulturveranstaltungen zu neuem Leben erwecken. Im nahe gelegenen Riom ist das bereits gelungen. Dort ziehen eine Theaterscheune, eine mit variabler Bühne wiederbelebte Burg und der Rote Theaterturm am Julierpass Kulturinteressierte aus der ganzen Schweiz an. Gleiches soll nun in Mulegns geschehen. Der vergessene Ort war im 19. Jahrhundert Dreh- und Angelpunkt für Reisende, die dort Station machten. Drei historisch wertvolle Bauten sind Zeugen aus dieser Zeit, sie werden ebenfalls von der Kulturinstitution Origen behutsam saniert und als Hotel und für kulturelle Zwecke genutzt.

Lange waren die Pläne geheim. Nur unter vorgehaltener Hand erzählte Giovanni Netzer, Intendant des Theaterfestivals Origen von den Plänen für einen Turm in Mulgens. Er will den sterbenden Ort mit Kulturveranstaltungen zu neuem Leben erwecken. Im nahe gelegenen Riom ist das bereits gelungen. Dort ziehen eine Theaterscheune, eine mit variabler Bühne wiederbelebte Burg und der Rote Theaterturm am Julierpass Kulturinteressierte aus der ganzen Schweiz an. Gleiches soll nun in Mulegns geschehen. Der vergessene Ort war im 19. Jahrhundert Dreh- und Angelpunkt für Reisende, die dort Station machten. Drei historisch wertvolle Bauten sind Zeugen aus dieser Zeit, sie werden ebenfalls von der Kulturinstitution Origen behutsam saniert und als Hotel und für kulturelle Zwecke genutzt.

© ETH Zürich

Einen extremen Kontrapunkt zu diesen historischen Bauten ist der Weiße Turm. Die Kulturinstitution entwickelte ihn zusammen mit verschiedenen Lehrstühlen der ETH Zürich. Eine interdisziplinäre Gruppe aus 22 Professoren der Schweiz arbeiten an neuen Formen und Materialien für die Gebäude der Zukunft. Architekten, Materialforscher, Bauingenieure, Maschinenbauer und Geomatiker zählen dazu. Der Turm soll beispielhaft zeigen, wie sich Architektur, Material- und Bauforschung verbinden und Wege weisen, wie nachhaltige, materialsparende und kreislauffähige Architektur in Zukunft aussehen kann. Denn die Bauweise erfordert nur so wenig Material wie unbedingt nötig. Sie braucht keine Schalung und reduziert den Transportaufwand durch die Fertigung vor Ort. Gedruckt werden die Elemente einzeln in insgesamt 4000 Druckschichten, die 5 mm hoch und 20 mm breit sind. Die hohlen Bauteile werden auf einen bestehenden Sockel getürmt, in dem früher eine Schmiede untergebracht war.

© Benjamin Hofer
© Benjamin Hofer

Bauwesen der Zukunft

Wunsch der Initiatoren und Planer des Weißen Turms ist es auch eine breite gesellschaftliche Diskussion über das Bauwesen der Zukunft anzustoßen – durch ein reales, erlebbares Projekt. Besucher werden der Arbeit des 3D-druckenden Roboters zusehen und sich dabei in die digitale Technologie vertiefen können. Baubeginn ist für April 2022 geplant, im Mai soll der Roboter zu drucken beginnen und 2023 schließlich soll der Turm aufgestellt sein. Seine Standzeit ist auf fünf Jahre ausgelegt, danach wird er zerlegt und an anderer Stelle wiederaufgebaut.

© ETH Zürich

Im Weißen Turm von Mulegns verbinden sich Tradition und Innovation ebenso wie Kunst, Wissenschaft und Ingenieurbaukunst. Er wird mit der alten Schmiede verwachsen, insgesamt 29 m hoch sein und an seiner breitesten Stelle einen Durchmesser von 9 m haben. Mit diesen Maßen wäre er dann das größte gedruckte Bauwerk der Welt. Im Theaterraum unter der Kuppel werden 45 Besucher Aufführungen und Installationen bestaunen – und mit Sicherheit auch die Architektur, die sie umgibt.


Architektur: Benjamin Dillenburger, Michael Hansmeyer
Bauherr: Nova Fundaziun Origen


Standort: Mulegns, Graubünden (CH)

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