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Digitale Prozesse

11/2021

„Wir kannten die Qualität bereits, da wir das Haus ja gewissermaßen schon vorher digital errichtet hatten. Nach Baubeginn gab es dann praktisch keine Notwendigkeit mehr zu improvisieren.“ So beschreibt der finnische BIM-Experte Marko Rajala die Planung des neuen Bau- und Umweltamts der Stadt Helsinki. Seine Schilderung entspricht der Idealvorstellung einer schönen neuen, digitalen Welt des Bauens. Hersteller versprechen – und Bauherren erhoffen – vom Building Information Modeling (BIM) mehr Termin- und Kostentreue, eine höhere Ausführungsqualität und weniger böse Überraschungen auf der Baustelle.

Bekommen sie, was sie erwarten? Dieser Frage gehen wir in der aktuellen Detail-Ausgabe nach. An fünf Projekten zeigen wir, wie die digitale Zusammenarbeit ablief, wie Prozesse strukturiert wurden und welchen Nutzen die Planungsteams und ihre Bauherren daraus zogen. Zu den Vorreitern in Sachen BIM zählt Skandinavien, das gleich mit zwei Projekten in der aktuellen Ausgabe vertreten ist. Das schon erwähnte Bau- und Umweltamt von Lahdelma & Mahlamäki sowie die Deichman-Bibliothek von Lundhagem und Atelier Oslo sind multifunktionale Großbauten – und damit klassische Anwendungsfälle für die BIM-Methode. Denn deren Vorteile nehmen tendenziell mit der Größe und Komplexität eines Bauprojekts zu. Das gilt auch für das Studentenwohnheim Vortex bei Lausanne von Dürig und IttenBrechbühl. Hier war die Planung mit BIM nicht vom Bauherren gefordert, aber die einzige Möglichkeit, um den Mammutbau termingerecht zu den Olympischen Jugendspielen fertigzustellen.

Nicht minder komplex war die Herausforderung in Brüssel, wo Neutelings Riedijk, Jan de Moffarts Architecten und Bureau Bouwtechniek den Güterbahnhof Gare Maritime zum Bürogebäude umgebaut haben. Vom Laseraufmaß der Bahnhofshalle bis zur Produktion der Holzbauteile reichte dort die digitale Prozesskette – mit einer Ausnahme: Um den Zuschlag in der Ausschreibung zu erhalten, mussten die Bauunternehmen Mock-ups im Maßstab 1:1 erstellen. Wir lernen daraus: Ausführungsqualität lässt sich digital nicht simulieren.

Um den Plusenergiestandard zu erfüllen, war beim Gare Maritime ein umfassendes Klima- und Energiekonzept erforderlich. Der Klimaschutz stand auch beim Ilse-Wallentin-Haus in Wien von SWAP Architektur und Delta Projektconsult im Vordergrund: 1000 m3 Holz sind darin verbaut – und nicht von ungefähr wurden digitale Werkzeuge für die Planung und Fertigung des Holzbaus besonders intensiv genutzt.

Bei drei Projektdokumentationen in diesem Heft haben wir zusätzlich Nachhaltigkeitsaspekte wie die Energieversorgung und die Ökobilanz der Baustoffe näher betrachtet. Diese Beiträge sind an den grünen Seitenstreifen zu erkennen. Sie ersetzen diesmal den Sonderteil Detail Green, der in jeder November-Ausgabe von Detail erscheint.

Planungskultur im Wandel

Die Digitalisierung ist nicht nur eine technische, sondern auch eine kulturelle Herausforderung, der Architekten nicht immer mit Euphorie begegnen. Schon Oswald Mathias Ungers meinte 1986, das Entwerfen könne man „nicht einem Gerät überlassen, das Wenn-/Dann- oder Ja-/Nein-Entscheidungen treffen kann und sonst nichts“. Louis Kahn bemerkte bereits 1969: „Die Maschine kann Maße übermitteln, doch die Maschine kann nichts schaffen, nicht beurteilen, nicht gestalten.“

Über 50 Jahre sind seither ins Land gegangen. Die endgültigen Entwurfsentscheidungen treffen auch heute noch Menschen, und das sollte auch so bleiben. Dennoch hat in den Architekturbüros ein enormer Kulturwandel stattgefunden. Ihn nimmt Marco Hemmerling in unserem Essay unter die Lupe, für den er die BIM-Manager einiger führender Architekturbüros aus dem deutschsprachigen Raum befragt hat.

Das Thema dieser Ausgabe vertiefen wir am 25. November bei dem Kongress „Neuer Standard? Digitale Planung in der Architektur“ in Frankfurt und live im Internet. Sie sind herzlich dazu eingeladen. Bis Ende November haben Sie außerdem auf detail.de die Möglichkeit, die Sieger des diesjährigen Detail Product Awards zu wählen. Und falls Sie Ihr eigenes Detail-Abonnement digitalisieren wollen, legen wir Ihnen unsere Online-Datenbank inspiration.detail.de ans Herz. Dort finden Sie die Inhalte aller Detail-Ausgaben seit 1961, gegliedert nach Jahrgängen und mit hinterlegter Themen- und Schlagwortsuche. 

Dieses Heft
DETAIL 11/2021
11/2021

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