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green 1/2010

Wie unterschiedlich derzeit die Erwartungen an den Klimaschutz sind, zeigen die Reaktionen führender Politiker und Klimaforscher auf den Kopenhagener Gipfel im Dezember 2009. Sie reichen von »wichtigen Fortschritten« bis zu »unbegreiflichem Ausmaß des Scheiterns«. In einem Punkt herrscht jedoch Einigkeit bei vielen Experten: Nachdem ein verbindliches Klimaabkommen unwahrscheinlich geworden ist, zählt die Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien zu ihren größten Hoffnungsträgern. Insbesondere das Bauwesen dürfte damit weiterhin eine Schlüsselrolle spielen, denn nirgends sind die Einsparpotenziale so groß und so kostengünstig zu erzielen wie hier.

Einige Anhaltspunkte, wie dies geschehen kann, gibt die aktuelle Ausgabe von DETAIL Green. Darin dokumentieren wir zwei Pilotprojekte, die ihren Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen selbst decken, und zwei Schlüsseltechnologien – die Kraft-Wärme-Kopplung und die Solarthermie –, die trotz erheblicher ökonomischer Potenziale in vielen Ländern noch vergleichsweise unterentwickelt sind.

Welche Herausforderung es bedeutet, Bemühungen um Energieeffizienz zu eine­r übergreifenden Strategie zusammenzuführen, illustriert das Konzept der 2000-Watt-Gesellschaft in der Schweiz. Dort arbeiten Forschungsinstitute, Industrieunternehmen und Pilotregionen daran, den Energieverbrauch der Bevölkerung langfristig auf ein klimaverträgliches Maß zu senken. Der Beitrag von Roland Stulz verdeutlicht jedoch auch, dass Technologie allein für ein Erreichen der 2000-Watt-Gesellschaft nicht ausreichen wird: Ohne die aktive Mitwirkung jedes Einzelnen rückt das Effizienzziel in weite Ferne. Der Philosoph Peter Sloterdijk hat hierzu unlängst in einem Interview angemerkt: »Wir haben unser ›Recht, Dinge zu verschwenden‹ internalisiert und betrachten dies als festen Kern der Menschenrechte. In dieser Beziehung wird ein erhebliches Umlernen in unseren Alltagsgewohnheiten einsetzen müssen, und Architekten werden die wichtigsten Lehrer auf diesem Gebiet sein.«

Sehr wahrscheinlich überschätzt Sloterdijk damit die Wirkungsmacht zeitgenössischer Architektur und ihrer Entwerfer. Doch er spielt zugleich auf eine Erkenntnis an, die auch in den Projekten in diesem Heft ihren Niederschlag gefunden hat: Energiekonzepte führen nur dann zum Erfolg, wenn sie Komfortansprüche undVerhaltensweisen der Nutzer antizipieren. Und ein »Umlernen«, wie Sloterdijk es nennt, ist nie auf Grundlage von Zwängen möglich, sondern allenfalls dadurch, dass den Gebäudenutzern die Folgen ihres Handelns transparent gemacht werden.

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