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Green 1/2012

»Make no little plans. They have no magic to stir men’s blood« - man solle keine kleinen Pläne machen, da sie die Menschen nicht begeis­tern könnten, empfahl einst der US-Architekt und Urheber des Plan of Chicago, Daniel Burnham. Die Botschaft ist bis heute aktuell: Nur wer über das Tagesgeschäft hinaus- und im Detail das große Ganze mitdenkt, wird in der Architektur bleibende Werte schaffen.

Auch in der aktuellen Ausgabe von DETAIL Green stellen wir Bauten vor, die sich als Lösungsansätze für die großen Herausforderungen unserer Zeit anbieten. Dazu zählt der Umbau schrumpfender Städte ebenso wie bezahlbarer Wohnraum in Wachstumsregionen, die Ertüchtigung von Bestandsbauten und natürlich die Reduktion ihrer Energiebilanz auf (nahe) null.

Das Ganze im Detail mitdenken heißt aber auch, über das reine Bauen hinauszublicken. Klimastrategien für ganze Städte sind ebenso (über-)lebensnotwendig wie gemeinsame Konzepte für Gebäude und Mobilität. Im vergangenen Dezember hat das Bundesministerium für Bau, Verkehr und Stadtentwicklung (BMVBS) daher in Berlin ein „Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität“ fertiggestellt. Auch dieses Gebäude (genauer: sein wegweisendes Recyclingkonzept) stellen wir im aktuellen Heft vor. Das Gebäude ist CO2-neutral, komplett rückbaubar und erzeugt so viel Solarstrom, dass seine Bewohner damit nicht nur ihren Haushalt bestreiten, sondern auch ein Elektrofahrzeug betreiben können. Ein Modell für die Zukunft also - wenn das Gebäude nicht grundsätzliche Fragen aufwerfen würde: Kann ein frei stehendes Einfamilienhaus mit Garage – selbst wenn diese „nur“ ein Elektroauto beherbergt – je ein Leitbild für nachhaltiges Bauen sein? Sicher, der Markt verlangt nach Einfamilienhäusern, und je weniger Energie diese verbrauchen, desto besser. Ferner sind Elektroautos Stromspeicher; sie erleichtern uns den Übergang in die postfossile Ära.

Doch warum eigentlich muss sich Politik damit begnügen, den Gesetzen des Marktes zu folgen, statt diese aktiv mitzugestalten? Selbst wenn in allen Einfamilienhausgebieten Deutschlands nur noch Plusenergiehäuser mit Elektromobilen stünden, würde damit kein Hektar Siedlungsfläche eingespart, kein Quadratkilometer Naturraum weniger durch Straßen zerschnitten und die Staus auf deutschen Autobahnen keinen Meter kürzer. Eine wirklich nachhaltige Mobilitätskultur muss daher auf der städtischen Ebene ansetzen. Plusenergiegebäude mit Elektromobilität können ein Baustein dafür sein – wenn sie in einer stadtverträglichen Typologie geplant und auch offensiv vor diesem Hintergrund vermarktet werden. Ein bloßer Austausch von Technologien in bestehenden Strukturen – Otto- gegen Elektromotor, Gastherme gegen PV-betriebene Wärmepumpe – greift dagegen zu kurz.

Jakob Schoof

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GREEN G1/2012

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