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Architektur im Wandel – das DETAIL research Forum auf der BAU 2019

Im Forum der BAU 2019 präsentierte DETAIL research an allen sechs Messetagen hochkarätige Referenten zu den elementaren Themen des Bauens von morgen.

Eine Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen ist der grundsätzliche Anspruch aller Veranstaltungen von DETAIL research. Mit der Fokussierung auf diese Schnittstelle soll aufgezeigt werden, welche Auswirkungen praxisbezogene und interdisziplinäre Forschungsergebnisse auf die zukünftige Architektur haben. In diesem Sinne präsentierte DETAIL research im Forum der BAU 2019 erneut ein inhaltsreiches und vielfältiges Programm zu den Themenfeldern Stadt, Material, Licht, Serielles Bauen und Digitalisierung. Darüber hinaus kamen die Gewinner des DETAIL Preis 2018 zu Wort und stellten ihre prämierten Entwürfe im Detail vor.

Ein Spiegel der Gesellschaft
Städtebauliche Entwicklungen spiegeln immer auch gesellschaftliche Prozesse wider: Zuzug in den Ballungsräumen, Abwanderung in den ländlichen Regionen, Anstieg der Einpersonenhaushalte durch Singles auf der einen und eine überalterte Gesellschaft auf der anderen Seite. Ein zunehmender Flächenverbrauch und ein überproportionaler Anstieg der Immobilienkosten – um nur die wichtigsten Aspekte zu nennen. Unter dem Thema Ressource : Stadt präsentierten die Referenten am ersten Messetag, Montag 14. Januar Ideen und Lösungsansätze zu den Fragen ob und wo es in den Städten noch Ressourcen gibt? Wie diese nutzbar gemacht werden können oder ob Elemente in der Stadt vielleicht selbst als Ressource dienen können?
Tuomas Hakala, Team Manager und Architekt aus Helsinki eröffnete das Forum mit seiner Vision einer nachhaltigen und smarten Stadt. Seit knapp zehn Jahren wird in dem ehemaligen Hafengebiet Kalasatama ein zukunftsorientiertes Stadtquartier Wirklichkeit. Karin Schmid, Professorin an der Hochschule München legte in ihrem Vortrag ein besonderes Augenmerk auf die Qualität und allgemeine Nutzbarkeit des öffentlichen Raums. Gerade in den neuen, hochverdichteten Quartieren kommt den Freiräumen innerhalb der Städte eine wachsende Bedeutung zu. Einen gänzlich anderen Ansatz verfolgt Tobias Nolte, Mitbegründer des Büros Certain Measures. Er stellte die Frage, ob sich neue Potenziale und Ressourcen in Architektur und Städtebau durch eine Umkehrung der Gestaltungsprozesse durch eine hypothetische Arbeitsweise erreichen lassen?

Material wird smart
Neben den spezifischen Eigenschaften spielen die Optik und Haptik von Materialien für den Architekten eine entscheidende Rolle. Doch die Materialien der Zukunft können noch mehr. Wie das Bauen von morgen durch den Einsatz innovativer Konstruktionen und Materialien kostengünstiger und ressourcenschonenden werden kann, zeigten die Referate am Dienstag, 15. Januar. Die Bandbreite reichte von traditionellen Materialien/Techniken, die neu interpretiert werden können, über biologische Stoffe, mit denen sich herkömmliche Baustoffe ersetzt lassen bis hin zu der Möglichkeit mit Hightechverfahren, Lowtech zu produzieren. Der Nachmittag startete mit einem mitreißenden Vortrag von Markus Holzbach vom Institut für Materialdesign an der HfG Offenbach zur Materialität und Gestalt von Hüllstrukturen. Holzbach verstand es, sowohl aus der Architektenperspektive als auch aus der des Werkstoff- und Verfahrenstechnikers auf die Charakteristika von Materialien einzugehen. Brian Cody vom Institut für Gebäude und Energie an der Technischen Universität Graz gelang mit seinem Beitrag ein spannender Querschnitt durch Gebäudeformen, verwendeten Materialien und den darauf einwirkenden Kräften. Sein Credo: Nur der Dreiklang aus reduziertem Energieverbrauch, optimalen Raumbedingungen und hoher Qualität der Architektur erreicht man die bestmögliche Lösung. Zum Abschluss zeigte Hanaa Dahy aus der Forschungsabteilung BioMat der Universität Stuttgart am Beispiel des Holz- und Biokomposz-Forschungspavillons wie Produktdesign und digitale Fertigungsmethoden geschickt miteinander kombiniert werden und so ökologische Materialien und Gebäudesysteme entstehen können.

Ins rechte Licht gerückt
Nach einem Exkurs zu den Preisträgern des DETAIL Preis 2018 am Mittwoch,16. Januar und der traditionellen Netzwerkparty am Abend widmete sich das DETAIL Forum dem Thema Licht mit vier Vorträgen am Donnerstag, 17. Januar. Besonders gelungen war die Mischung aus verschiedenen Bereichen, wie z. B. der Tages- und Kunstlichtplanung, der LED-Technik und medialen Lichtinszenierung. Die hochkarätigen Referenten, darunter Ulrike Brandi, Planungsbüro Ulrike Brandi, Wilfried Pohl aus dem Büro Bartenbach sowie Thomas Schielke von Erco/arclighting und Michael Elstner von Interpane, gaben interessante und detaillierte Einblicke in ihre Projektarbeit, berichteten über den aktuellen Stand der LED-Technologie und Digitalisierung und stellten verschiedene Initiativen vor. Die anschließende Podiumsdiskussion, moderiert von Emre Onur (Chefredakteur LICHT), zeigte einmal mehr, wie wichtig der Austausch zwischen den Disziplinen Kunst- und Tageslicht und zwischen Auftraggeber, Planer und Industrie ist.

Seriell und doch individuell?
Hochwertige Architekturqualität und gestalterische Individualität im seriellen Bauen schließen sich keineswegs aus. Das war der Tenor der drei Referenten, die am Freitag, 18. Januar die Vorfertigung in den Fokus ihrer Vorträge stellten. Für Christian Schlüter, Professor an der FH Bochum ist vor allem entscheidend, dass mit flexiblen Grundrissen geplant und ressourcenschonend gebaut wird. Nur so lässt sich die nötige Flexibilität und Anpassbarkeit für die kommenden Jahrzehnte und Generationen erreichen. Jürgen Bartenschlag von Sauerbruch Hutton setzt ebenfalls bei der Ressourcenschonung an und stellte aktuelle Projekte – vor allem in Holzverbundbauweise vor. Er forciert das Bauen mit Holz seit Jahren, jedoch nicht um jeden Preis. Zu lange Transportwege beispielsweise, seien ökologisch nicht vertretbar. Dirk Hebel, Professor am KIT in Karlsruhe, sieht vor allem einen Paradigmenwechsel in der Baubranche als notwendig an. Die Bauwirtschaft muss zukünftig wie ein Kreislauf funktionieren, in den Wertstoffe und Ressourcen einzubringen sind. Das Augenmerk ist daher auf Wiederverwendbarkeit, Wiederverwertbarkeit und biologische Kreisläufe wie Kompostierung zu richten. Das Serielle Bauen kann hier zahlreiche Vorteile bieten.

Digital gestalten und fertigen
Am Samstag, 19. Januar wurde final klar: die Digitalisierung macht vor dem Bauen keineswegs halt. Und es gibt bereits viele (digitale) Werkzeuge, die Architektur, Gestaltung und Fertigungsprozesse in Planung und auf der Baustelle immer stärker beeinflussen. Für Arnold Walz von Design to Production aus Stuttgart sind sie Tools, die helfen, analoge Daten und Informationen in eine digitale Welt zu überführen. Ob das über BIM oder andere Prozesse passiert, ist dabei nicht entscheidend. Architekten und Planer brauchen Werkzeuge, die ihre Arbeit nachhaltig erleichtern und die Kommunikation der Fachingenieure miteinander vereinfachen. Hannes Mayer von Gramazio Kohler Research,  ETH Zürich, stellte vor allem die digitale Fertigungstechnologie in den Schwerpunkt seines Exkurses. So können Roboter inzwischen weit mehr als »nur« Mauern erstellen. Die Forschung an der ETH geht verstärkt in Richtung reversibler Bauweisen, unter Einsatz robotischer Prozesse. Beim »Rock Print Pavilion« waren beispielsweise, nur mit Schotter und in Schlaufen gelegter Schnur, Tragstrukturen möglich, die mehrere Tonnen Last trugen. Eine Konstruktionsidee, die Fertigung, Tragstrukturen und Materialverbund innovativ interpretierte. Der Definition neuer und ungeahnter Architekturqualitäten hat sich Mitchell Joachim von Terreform one aus NYC verschrieben. Seine biologischen Planungsansätze sind beispielhaft für ein symbiotisches und soziales Miteinander von Natur und Mensch. Gestaltung und Fertigung werden hierbei zukunftsfähig verknüpft, um kommenden Generationen lebenswerte Städte zu erhalten.

Wir danken allen Referenten sowie unseren Partnern, der BAU 2019, AGC Interpane und der Forschungsinitiative Zukunft Bau, für das informative und abwechslungsreiche Programm und freuen uns auf den weitern Dialog zur Zukunft des Bauens – spätestens im Forum auf der BAU 2021.

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