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Die Jury des DETAIL-Preises vergibt in diesem Jahr zwei gleichrangige erste Preise an zwei Projekte, die sich der Aufwertung und Umnutzung historischer Bausubstanz widmen. Damit würdigt sie eine Aufgabe, die im Schaffen von Architekten immer wichtiger wird. Die Ausgangslage und die gewählten Strategien sind radikal unterschiedlich, die Wirkung in beiden Fällen ähnlich: Langjähriger Leerstand wurde überwunden und sozialer Mehrwert geschaffen. Die hier gezeigte entwerferische Kreativität macht Hoffnung, dass der Erhalt bedrohter, nicht denkmalgeschützter Bausubstanz auch andernorts gelingen kann.
Die Entscheidung der Jury für die beiden Preisträger fiel einstimmig und auf Grundlage einer gleichwertigen Betrachtung von Neubauten und Bestandssanierungen. Ein »Sanierungsbonus« kam bei der Bewertung also nicht zum Tragen.

DETAIL Preis 2018, Jurysitzung

Die Jurysitzung hat am 25. Juni 2018 stattgefunden. Im Bild v.l.n.r.: Dr. Sandra Hofmeister, Jakob Schoof, Kjetil Trædal Thorsen, Prof. Manfred Grohmann, Prof. Dr. Philippe Block; Foto: Yury Soldatov

1. Preis
Zeitz MOCAA, Kapstadt

Thomas Heatherwick Studios

»In Kapstadt ist ein stadtbildprägendes Industriedenkmal zum Symbol des Aufbruchs in ein neues Zeitalter kultureller Selbstbestimmung geworden. Dabei war der Bestand für die ihm zugedachte Nutzung denkbar ungeeignet. Dass daraus dennoch etwas Großartiges entstanden ist, verdankt sich der gestalterischen Kühnheit der Architekten, die das Neue gleichwertig neben den Bestand treten lässt.
An den Fassaden haben Thomas Heatherwick Studios durch die wiedergewonnene Rasterstruktur des Aufzugsturms, die neuen Dachaufbauten und die facettierten Glasfassaden einen feingliedrigen Kontrast zur wuchtigen Präsenz der Siloröhren geschaffen. Seine eigentliche Kraft entfaltet dieser Bau jedoch vor allem im zentralen Atrium. Räume von dieser Monumentalität entstehen in der Architektur heute nur noch selten – und wenn doch, dann zumeist in Bestandsstrukturen, in denen ein Überfluss an räumlichem und atmosphärischem Potenzial bereits angelegt ist. Symbolwert, Funktion, Atmosphäre und Konstruktion finden hier zu einer einzigartigen Synthese. Der kühne Schnitt durch die Silos überrascht mit seiner asymmetrischen Form, die sich erst auf den zweiten Blick als vieltausendfache Vergrößerung eines Getreidekorns erschließt. Beispielhaft gelöst ist auch die sichtbare, konstruktive Verstärkung der Silowände, die durch die neu geschaffene Gewölbeform notwendig wurde. Alt und Neu sind so nicht nur im Baukörper als Ganzem, sondern auch in der Raumstruktur und selbst noch in den Schnittkanten des Betons als sich gegenseitig bedingende und bestärkende Komponenten des Gebäudes abzulesen.«
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1. Preis
Bürgerzentrum Cristalleries Planell, Barcelona

Harquitectes

»Eine ehemalige Glasfabrik gibt dem neuen Bürgerzentrum im Parlamentsviertel von Barcelona ein prägnantes Gesicht. Die denkmalgeschützte historische Fassade der Cristalleries Planell ist dem Gebäude an seiner Südseite vorgelagert. Mit Bedacht haben H Arquitectes die Materialsprache des Bestands aufgegriffen und um hohe, weitgehend geschlossene Ziegelflächen erweitert. So werden die verschiedenen historischen Schichten in der Architektur des Bürgerzentrums als eigenständige Elemente erkennbar, die jedoch nicht in Konkurrenz zueinander treten, sondern sich ergänzen. Die Architekten nutzen den Dialog zwischen Alt und Neu, um den Räumen der diversen Bildungseinrichtungen und des Hotels, das sich ebenfalls in dem Gebäude befindet, besondere Qualitäten hinzuzufügen. Dazu zählt nicht nur Tageslicht für die Innenräume, sondern auch ihre natürliche Temperaturkontrolle, die eine Klimaanlage überflüssig macht. Auf dem Dach des Gebäudes befinden sich vier pyramidenförmige Solarkamine – sie sind Teil eines Systems, das die Luft in den Sommermonaten vertikal durch das Gebäude zirkulieren lässt und im Winter vor Kälte schützt. Der Bereich zwischen der historischen und der neuen Fassade dient als Pufferzone für den Temperaturausgleich und schirmt die Innenräume vor Straßenlärm ab. Durch die Intervention von H Arquitectes entstand ein vorbildhaftes öffentliches Gebäude, das seine Geschichte, sein Selbstverständnis und seine Raumqualitäten mit den Bürgern Barcelonas teilt.«
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Sonderpreis structure – powered by DETAIL
Chilenischer Pavillon EXPO 2015, Mailand/Temuco
Undurraga Deves Arquitectos

»Über Recycling wird in der Architektur derzeit viel diskutiert. Selten wurde es so konsequent umgesetzt wie bei diesem Gebäude, das 2015 als chilenischer Expo-Pavillon in Mailand diente und nun in Südchile eine neue Verwendung als Kulturzentrum gefunden hat. Das beginnt bereits bei der Grundkonzeption des Tragwerks: Wie ein Brückenträger ruht das gesamte Gebäude lediglich auf sechs umgedrehten Dreibeinen aus Stahl und benötigt so nur ein Minimum an Fundamenten. Die Fachwerkkonstruktion aus Kiefern-Leimholz prägt das Gebäude nicht nur außen, sondern durch den konsequenten Verzicht auf Verkleidungen auch im Inneren. Strukturelle Logik paart sich bei diesem Tragwerk mit Eleganz, weil Stahlbauteile konsequent minimiert oder geschickt den Blicken entzogen wurden. An ihrer Stelle feiern traditionelle Techniken der Holzverbindung eine Renaissance. Die Überdimensionierung der Holzbauteile ist in diesem Fall kein Manko, sondern stärkt den Ausdruck der Architektur überaus wirkungsvoll. Sie lässt sich überdies als politisches Statement lesen: Chile gibt sich mit diesem Bauwerk nicht nur als führender Holzproduzent zu erkennen, sondern zelebriert auch seine Kompetenz in der Holzverarbeitung und der Planung von Holztragwerken.«
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Sonderpreis DETAIL inside
Atrium des Life Science & Bioengineering Gebäudes, Danmarks Tekniske Universitet, Lyngby
Christensen & Co Architects and Rørbæk og Møller Arkitekter

»Das Gebäude 202 der Danmarks Tekniske Universitet (DTU) bündelt verschiedene Departments und Forschungseinrichtungen der Life Science und des Bioengineering unter seinem Dach. Der bislang größte Neubau auf dem Campus in Lyngby stellt den Forschern jedoch nicht nur Arbeitsplätze zur Verfügung, sondern auch ein zentrales Atrium, das Christensen & Co Architects gemeinsam mit Rørbæck og Møller Arkitekter als Ort der Kommunikation und der Interaktion konzipierten. Durch versetzte Oberlichter dringt Tageslicht in den drei Geschosse hohen Raum – Wetterbedingungen und Tageszeiten werden auf diese Weise präsent. Zusätzlich wird das Atrium durch künstliches Licht erhellt. Einzelne Meetingboxen, die in Höhen und Geschossen in den Raum vorspringen und sich mit großen Fenstern auf seine Mitte öffnen, strukturieren das zentrale Foyer des Universitätsgebäudes und erlauben Blickkontakte zwischen den Nutzern. Die reduzierten Materialien und Oberflächen aus Glas und vertikal angebrachten Eichenlamellen fassen alle Elemente zu einer durchgängigen Einheit. Dank der stringenten und austarierten Raumkomposition besticht das Atrium neben seiner sozialen Funktion auch durch seine besondere Atmosphäre.«
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DETAIL Preis 2018, Partner

ARCHITEKTUR & DESIGN

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