Lehm, Ziegel und Holz als konstruktive Antwort
Beim Neubau für den Verband für Ländliche Entwicklung steht das Zusammenspiel natürlicher Materialien im Mittelpunkt. Lehm, Ziegel und Holz werden nicht nur als sichtbare Materialien eingesetzt, sondern als Teil der Konstruktion gedacht. Leipfinger-Bader war an dem Projekt unter anderem mit einer modular vorgefertigten Holz-Lehm Massivdecke beteiligt, die auf rund 650 m² als Geschossdecke und Dach eingesetzt wurde. Ergänzt wird sie durch den Recyclingziegel Kaltziegel, den Estrichziegel als Alternative zum klassischen Estrich sowie eine Lehmplatte. So greifen unterschiedliche Lösungen ineinander: Holz und Lehm prägen die Deckenkonstruktion, der Kaltziegel steht für zirkuläres Bauen, während Estrichziegel und Lehmplatte den Ausbau weiterführen. Das Projekt zeigt, wie sich Materialien nicht nur einzeln einsetzen, sondern als aufeinander abgestimmte Bauteile zu einem durchgängigen Gebäudekonzept verbinden lassen.
Weniger Technik durch mehr Gebäudeverständnis
Das „Haus fast ohne Heizung“ in Ingolstadt zeigt einen anderen Ansatz. Das Wohngebäude mit 15 Wohnungen und 1.276 m² Wohnfläche wurde als Pilotprojekt des Gebäudetyps E nach dem 22–26-Prinzip geplant. Massive Ziegelbauweise, Holzfassade, ein begrüntes Dach mit Photovoltaikanlage und ein gezielt reduziertes Wärmekonzept greifen hier ineinander. Die Raumtemperatur soll dabei wesentlich über Gebäudestruktur, Speichermasse, interne Wärmequellen und eine automatisierte Lüftungssteuerung reguliert werden.
Zum Konzept gehören auch hier Leipfinger-Bader-Lösungen: Im Mauerwerk kam der mit Holzfasern gefüllte Silvacor-Ziegel zum Einsatz. Für kalte Tage wurde das elektrische Bodenheizsystem mit Estrichziegel und Heizpapier ergänzt; die Wärme wird dabei nur bei Bedarf aktiviert.
Gebäude, Standort und Nutzung als System
Beide Projekte verfolgen keine allgemeingültige Rezeptur. Sie zeigen vielmehr, dass nachhaltige und ressourcenschonende Architektur aus den Anforderungen des jeweiligen Ortes und der Nutzung entwickelt werden muss. Materialien, Bauteile und technische Systeme sind dann besonders wirkungsvoll, wenn sie nicht isoliert geplant, sondern aufeinander abgestimmt werden.






