Barrierefreiheit zwischen Backsteingotik

Erweiterung Robert-Koch-Gymnasium in Berlin

 - Dolores Stuttner

SSP Rüthnick Architekten ergänzen das denkmalgeschützte Ensemble mit einem auffälligen Erweiterungsbau, der sich bewusst vom historischen Ziegelbau absetzt.

Erweiterung Robert-Koch-Gymnasium in Berlin
Der Erweiterungsbau setzt sich bewusst vom Bestand ab. © Klemens Renner

Das Robert-Koch-Gymnasium in Berlin-Kreuzberg stammt aus dem Jahr 1875 und ist Teil eines denkmalgeschützten Ensembles im Stil der Backsteingotik. SSP Rüthnick Architekten haben das viergeschossige Schulgebäude zeitgemäß modernisiert und instandgesetzt.

Der Erweiterungsbau ist aufgeständert. Ein ebenerdig zugänglicher Aufzug sorgt für einen barrierefreien Zugang ins Gebäude.
Der Erweiterungsbau ist aufgeständert. Ein ebenerdig zugänglicher Aufzug sorgt für einen barrierefreien Zugang ins Gebäude. © SSP Rüthnick Architekten

Prägnanter Erweiterungsbau

Der prägnante Erweiterungsbau setzt sich bewusst vom historischen Ziegelbau ab. Um den rückwärtigen Zugang zum Altbau zu erhalten, wurde der Anbau bis zum ersten Geschoss aufgeständert. Die konischen, schlanken Stützen sorgen nicht nur für eine bessere Orientierung; sie verleihen dem dreigeschossigen Holzkubus obendrein eine schwebende Wirkung.

Neue Holzfassade

Die Fassade des rechteckigen Anbaus hebt sich durch vertikale Lärchenholzlamellen deutlich vom Bestand ab. In Kombination mit der expressiven Kubatur bildet die Holzfassade mit ihren umlaufenden Geschossfugen einen spannenden Gegenpol zum Altbau. Manuell bedienbare Schiebeelemente ermöglichen eine nachhaltige Abkühlung im Sommer.

Alt und Neu stehen in einem lebhaften Kontrast.
Alt und Neu stehen in einem lebhaften Kontrast. © Klemens Renner

Barrierefreies Gymnasium

Bei der Umgestaltung des Robert-Koch-Gymnasiums widmeten sich SSP Rüthnik Architekten intensiv dem Thema Barrierefreiheit. Ein ebenerdig zugänglicher Aufzug im Anbau ermöglicht Personen mit Mobilitätseinschränkung das Erreichen der oberen Geschosse. Drei leuchtend gelbe Verbindungsbrücken sorgen für fließende Übergänge auf allen Etagen. Im Hochparterre des Altbaus überbrücken Rampen den um ein halbes Geschoss tieferliegenden Eingangsbereich.

Brückenrampe im Hochparterre
Brückenrampe im Hochparterre © Klemens Renner
Flur im Obergeschoss
Flur im Obergeschoss © Klemens Renner

Farbe im Innenraum

Sehen lassen kann sich allerdings nicht nur die Wegführung, sondern gleichermaßen das überarbeitete Innenraumdesign. Die nunmehr auch seitlich ausgeleuchteten Eingangsbereiche im Bestand und farbenfrohe Elemente schaffen eine freundliche Atmosphäre. Helle Grüntöne an den Wänden und dunkle Linoleumböden ergänzen die weißen Gänge in den oberen Stockwerken. Lernen, Kommunikation und Unterricht kann durch farblich eingefügtes Mobiliar nun auch außerhalb der Klassenzimmer stattfinden. Mit dieser flexiblen Herangehensweise an den Unterricht schufen die Planer gute Voraussetzungen für eine zukunftsweisende Pädagogik.

Mehr dazu in Detail 3.2024 und in unserer Datenbank Detail Inspiration.


Architektur: SSP Rüthnick Architekten
Team: Alin Nieswand, Nora Kuippers
Bauherr: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
Standort: Dieffenbachstr. 60/61, 10967 Berlin (DE)


Tragwerksplanung: ifb frohloff staffa kühl ecker
Bauphysik: Ecobau Consulting
Haustechnik: Riethmüllerplan Gebäudetechnik
Brandschutz: Leibenatus Stockburger Wittayer Architekten Ingenieure
Akustik: ALB Akustiklabor Berlin
Bruttogrundfläche: 5760 m²
Anzahl Schülerinnen und Schüler: 580
Baujahr Bestand: 1875
Baukosten: 11 Mio €


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