Neungeschossiges Gewächshaus

Wohngebäude in Genf von Atelier Bonnet

 - Alexander Russ

Atelier Bonnet Architects haben in Genf ein Wohngebäude mit Balkonen entworfen, deren Bepflanzung einen Übergang zwischen Innen und Außen inklusive Aneignung durch die Bewohner ermöglicht.

Wohngebäude in Genf von Atelier Bonnet
Die neungeschossige Zeile befindet sich im Villenviertel von Surville und ist von einem großen Garten umgeben. © yves-andre.ch

Städte wachsen, auch in der Schweiz. In Genf wird deshalb eine städtebauliche Politik der Nachverdichtung verfolgt. Dadurch wird es möglich, Gebäude im Stadtzentrum höher zu bauen. Im Rahmen eines Wettbewerbs untersuchten Atelier Bonnet Architectes Strategien für die Errichtung eines Wohngebäudes südwestlich der Innenstadt mit besonderem Fokus auf dessen Optimierung hinsichtlich Lärmschutz, visueller Privatsphäre und Orientierung. Enstanden ist eine neungeschossige Zeile, um die der Garten des Grundstücks herumfließt.

© yves-andre.ch

Räumliche Struktur

Insgesamt 5048 m² Fläche umfasst der Bau, der sich im Villenviertel von Surville befindet. Aufgrund seiner bewaldeten Hänge bietet das Quartier eine ruhige, naturnahe Umgebung mit Ausblick auf die Innenstadt. Die neue Wohnzeile weist gemäß den Vorgaben des Wettbewerbs eine Nord-Süd-Ausrichtung auf. Als Folge sind die Wohnräume mit Wohnküche im Süden und Westen platziert, während sich die Schlafzimmer größtenteils im Norden befinden. Die Erdgeschosszone ist für gemeinschaftliche Nutzungen gedacht. Es gibt zwei Eingänge jeweils auf der Nord- und Südseite, die zu zentral gelegenen Treppenhäusern mit Fahrstuhl führen. Von dort geht es zu den Wohnungen.

© yves-andre.ch

Fassade als klimatischer Puffer

Als Übergang zur umgebenden Natur dienen große vorgelagerte Balkone, die im Westen in das Gebäudevolumen eingeschnitten sind und im Süden über die Gesamtlänge der Fassade verlaufen. Mit ihrem feinen Metallgewebe bilden sie einen Kontrast zur Keramikverkleidung des Gebäudes. Als Inspiration dienten die Balkone der sogenannten Polykatoikia, Athener Wohngebäude aus den 1950er-Jahren, die den Bewohnern eine spezifische Aneignung durch ihre Begrünung erlauben. Ähnlich verhält es sich mit dem Edelstahlgewebe des Genfer Wohnhauses, das von den Bewohnern bepflanzt werden kann. So verändert sich die Fassade im Lauf der Zeit und der Jahreszeiten, während die Balkone immer mehr zum klimatischen Puffer zwischen Innen und Außen werden.


Architektur: Atelier Bonnet Architectes
Bauherr: Privat


Standort: Genf (CH)


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