Dach-Ellipse

Document Kepler in Regensburg

 - Barbara Zettel

Der Anbau mit Aufzug und Foyer ergänzt das Document Kepler in Regensburg an seiner Südseite und macht die neue interaktive Ausstellung barrierefrei zugänglich. Markant ist sein elliptisches Dach.

Document Kepler in Regensburg
Der Anbau fügt sich wie selbstverständlich zwischen Patriziertürme und mittelalterliche Handelshäuser. © Norbert Miguletz

Seit der Regensburger Altstadtsanierung durch Hans Döllgast in den 1960er-Jahren erinnert das Haus in dem Johannes Kepler 1620 starb als Museum an den großen Astronomen. In Kooperation mit dem ortsansässigen Büro Fabi Architekten sanierte das Frankfurter Studio Wandel Lorch Götze Wach das mittelalterliche Handelshaus umfassend und machten es durch einen Anbau mit Aufzug und Foyer an seiner Südseite barrierefrei zugänglich. Eine neue interaktive Szenografie des Kurators Pablo Frankenberg und der Ausstellungsgestalter Merz Merz lässt seit Februar letzten Jahres Keplers Entdeckungen und seine Biografie lebendig werden.

© Norbert Miguletz
© Norbert Miguletz

Schwungvolles Dach

Schützend stellt sich der dreigeschossige weiß verputzte Bau vor das Bestandsgebäude, verdeckt es aber nur zu einem Drittel. An seiner Ostseite geht die Dachform schwungvoll in eine elliptische Form über, die über dem eingeschossigen Empfangsbereich sanft ausläuft und den Blick auf die historischen Fenster freigibt. Der Anbau dient auch als Wärmepuffer, denn dort liegt der einzige ständige Arbeitsplatz. Die Ausstellung im Bestandsgebäude mit seinen einfach verglasten Butzenscheibenfenstern kann so bei 19° Grundtemperatur betrieben werden.

© Stadt Regensburg, Stefan Effenhauser

Auf der Flanierroute

Der neue Hauptzugang liegt nun an der Südseite – eine städtebauliche Verbesserung. Besucher erreichen das Document Kepler über eine der Gassen vom belebten Haidplatz in der autofreien Altstadt. Gruppen sammeln sich auf dem neuen Museumsvorplatz. Früher lag das Quartier abseits der Flanierroute. Durch den Höhenunterschied von Nord nach Süd betreten Gäste das Foyer im ersten Obergeschoss und gelangen durch einen Rundbogen in der ehemaligen Außenwand in die Ausstellung. Auch im Inneren achteten Ausstellungsplaner und Architekten darauf, die ursprüngliche Raumwirkung zu bewahren und die über die Jahre entstandenen Überformungen ablesbar zu lassen.

© Stadt Regensburg, Stefan Effenhauser

Interaktiv durch Keplers Leben

In der Ausstellung führt Kepler als Ich-Erzähler die Besucher interaktiv durch sein Leben. Dabei hilft ihm ein Multimedia-Guide in Deutsch, Englisch, Gebärden- und Leichter Sprache. Vier Themenbereiche verteilen sich über die Etagen: Das Erdgeschoss – es ist weiterhin über den ehemaligen Zugang an der Nordseite erschlossen – erzählt die Geschichte des Hauses. Das erste Obergeschoss widmet sich Keplers Weltbild und seinem Tod. Episoden seines Lebens und sein wissenschaftliches Werk stehen im zweiten Obergeschoss im Mittelpunkt. Und in der ehemaligen Hausmeisterwohnung entsteht schrittweise ein Science Lab.

Mehr dazu in Detail 4.2025 sowie in unserer Datenbank Detail Inspiration.


Architektur: Wandel Lorch Götze Wach; Fabi Architekten
Bauherr: Stadt Regensburg
Standort: Regensburg (DE)


Tragwerksplanung: Ingenieurbüro Augustin
Landschaftsarchitektur: Neidl+Neidl Landschaftsarchitekten und Stadtplaner
Ausstellungsgestaltung: merz merz


  • Der siebengeschossige Neubau an der Hohlstrasse in Zürich soll ein Ladengeschoss, Flächen für öffentliche Dienstleistungen und fünf Obergeschosse mit Gewerbeflächen enthalten.

    Eisenbahnschienen als Tragwerk - wie funktioniert das? 

    Rund 180 km Gleise werden im Schweizer Bahnnetz jedes Jahr erneuert. Bisher wurde das Altmetall eingeschmolzen. Jetzt soll im Westen von Zürich das erste Gebäude mit Stahltragwerk aus gebrauchten Schienen entstehen.

  • Line Ramstad ist die neue Chefkuratorin der Oslo Biennale.

    „One Size does not fit all" 

    Fassaden aus Abfallwolle, recycelter Stahl von ausrangierten Schiffen oder Wohnraum statt Kapitalanlage: Line Ramstad, Chefkuratorin der Osloer Triennale, zeigt was passiert, wenn die Natur Vorrang hat.

  • Schatten, der mitwächst 

    Auf Spielflächen in Marzahn-Hellersdorf spendet die Pergola Persol von Urbidermis sofort Schatten. Kletterpflanzen erobern nach und nach die Seile und bilden ein zweites, grünes Dach.

  • „Haus Blick“ fügt sich in den Hang oberhalb von Hinterbrühl ein. Die EasyFalz by Kalzip® Rautenschindeln in Patina Bronze B40 ziehen sich über Dach- und Wandflächen; großzügige Verglasungen öffnen das Haus zum Garten. Advertorial

    AdvertorialIm Rhythmus des Hangs

    In Hinterbrühl entwickelten Caramel architektInnen einen dreigeschossigen Baukörper für den 45 Grad steilen Hang. EasyFalz by Kalzip Rautenschindeln in Patina Bronze B40 verkleiden sämtliche Flächen.

  • Kulturcampus Paul-Van-Ostaijen in Leuven

    In Leuven haben Lava architecten aus einem alten Missionshaus einen Ort geschaffen, an dem Zirkus, Musik, Theater und Tanz unter einem Dach koexistieren. Starker Schallschutz ist hier Voraussetzung für soziales Miteinander.

  • Bei der Architekturbiennale 2025 waren mehr Exponate zu sehen als jemals zuvor, obwohl der zentrale Ausstellungspavillon in den Giardini gesperrt war.

    Selbstausbeutung im Starzirkus 

    Bei jeder Architekturbiennale stehen die Kuratoren vor den gleichen Hindernissen: Geldknappheit, viel Bürokratie und eine Organisation, die kollektive Leistungen ignoriert. Warum tun sie sich das an? Ein Gespräch mit Albena Yaneva, die den Entstehungsprozess der Biennale 2025 ein Jahr lang beobachtet hat.