Preisträger des Aga Khan Award

Gemeindezentrum bei Hohhot von Zhang Pengyu

 - Jakob Schoof

Mit dem Entwurf für ein multiethnisches Gemeindezentrum in Wusutu bei Hohhot gewinnen Zhang Pengyu und sein Architekturbüro den diesjährigen Aga Khan Award. In der 47-jährigen Geschichte des Preises ist es erst der dritte Preisträger aus der Volksrepublik China.

Gemeindezentrum bei Hohhot von Zhang Pengyu
Der rund 1200 m² große Gebäudekomplex besteht fast vollständig aus Recyclingziegeln. Maßstäblich lehnt er sich an die ein-bis zweigeschossigen Gebäude im Ortszentrum an. © Aga Khan Trust for Culture / Dou Yujun

Am 15. September wurden in der tadschikischen Haupstadt Bishkek die diesjährigen Aga Khan Awards verliehen. Die Jury unter Vorsitz von Yvonne Farrell kürte insgesamt sieben Preisträger aus Bangladesh, Iran, Pakistan, Ägypten, Palästina – und China. Die Auszeichnung für das Gemeindezentrum in Wusutu bei Hohhot, der Hauptstadt der Inneren Mongolei, ist erst die dritte Auszeichnung unter bisher 132 Gewinnern, die in die Volksrepublik geht.

Das Zentrum des kreisrunden Innenhofs lässt sich temporär in ein Wasserbecken verwandeln.
Das Zentrum des kreisrunden Innenhofs lässt sich temporär in ein Wasserbecken verwandeln. © Aga Khan Trust for Culture / Dou Yujun

Gemeindezentrum auf ehemaligem Tempelgelände

Die Gegend rund um Hohhot ist seit jeher ein Siedlungsschwerpunkt der muslimischen chinesischen Minderheit der Hui. Viele von ihnen sind in jüngster Zeit aus Wusutu ins nahe gelegene Hohhot gezogen. Im Gegenzug lockten die Lage am Fuß der Berge und die Aprikosenblüte zahlreiche Künstler in das Dorf. Unter ihnen war auch Zhang Pengju, Architekturprofessor aus Hohhot und Leiter des Büros „Inner Mongolian Grand Architecture Design“. Ihn beauftragten die Dorfbewohner mit dem Bau eines Gemeindezentrums auf dem Grundstück eines ehemaligen buddhistischen Tempels.

Grundriss
Grundriss © Zhang Wenjun / Zhao Zhen

Innenhof als sozialer Treffpunkt

In nur sieben Monaten Bauzeit entstand der gut 1200 m² große Komplex aus Recyclingziegeln lokaler Abrissbauten. Er bietet Platz für Ausstellungen und Kulturveranstaltungen, aber auch für die Alltagsaktivitäten der Anwohner – sei es eine Partie Mahjongg für die Älteren oder Töpferkurse für die Jugendlichen. Vorbei an einem Nachbarschaftscafé und einem Restaurant an der Straße führt ein schmaler Durchgang ins Zentrum der Anlage – den rund 200 m² großen, kreisrunden Innenhof, dessen abgesenkter Teil sich temporär als Wasserbecken fluten lässt. Auf Trennwände im Inneren des Gebäudes verzichtete das Planungsteam weitgehend. Dennoch wird der Besucherstrom so gelenkt, dass sich die unterschiedlichen Nutzerinnengruppen möglichst wenig in die Quere kommen.

Große Fensteröffnungen geben immer wieder den Blick auf die nahe Berglandschaft frei.
Große Fensteröffnungen geben immer wieder den Blick auf die nahe Berglandschaft frei. © Aga Khan Trust for Culture / Dou Yujun

Dachterrasse als Abenteuerspielplatz

Aus dem Innenhof führt eine Treppe hinauf zur Dachterrasse, die mit fast 800 m² Fläche ebenfalls einen wichtigen sozialen Treffpunkt darstellt – vor allem für die Kinder, die hier reichlich Bewegungsspielraum zum Spielen haben. Vier markante Entlüftungstürme ragen über die Dachfläche hinaus. Sie sind Teil eines ausgeklügelten Low-Tech-Systems, das mit bodennahen Zuluftöffnungen und automatisierten Oberlichtern die natürliche Belüftung sicherstellt. Im Urteil der Jury heißt es unter anderem: „Die Dynamik dieses Projekts verbessert die soziale Interaktion, das kulturelle Erlebnis und die Umweltverträglichkeit erheblich. Durch die Integration verschiedener Nutzer und die multifunktionale Gestaltung seiner fließenden Räume hat das Zentrum einen wertvollen gemeinsamen und integrativen kommunalen Mikrokosmos innerhalb eines ländlichen menschlichen Makrokosmos geschaffen.“


Architektur: Inner Mongolian Grand Architecture Design Co.
Bauherr: Gemeinde Wusutu
Standort: Huimin, Hohhot (CN)


Tragwerksplanung: Xin Zhou
Bauunternehmen: Inner Mongolia Yinglihong Construction and Installation Co.


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