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Die Rückkehr der Gebäude als atmende Systeme

Neue Projekte in China setzen auf Mikroklimata, offene Strukturen und integrierte Systeme - und formulieren damit eine zeitgemäße Haltung im nachhaltigen Bauen.

Die Rückkehr der Gebäude als atmende Systeme
gmp Architects: CSCEC Headquarters in Guangzhou. © CreatAR Image

Ein Turm, der sein Klima selbst reguliert – und ein Wohnbau, der das Stadtklima spürbar macht: In China entstehen Bauten, die Konstruktion, Klima und Nutzung zu einem lebendigen System verweben - und damit eine neue Haltung im nachhaltigen Bauen formulieren. In Guangzhou entwickelt gmp Architects mit dem CSCEC Headquarters einen Turm, dessen Tragwerk nach außen wandert und den Hochhauskörper selbst zur klimatischen Maschine werden lässt. In Shanghai hingegen setzt Lacime Architects mit ihrem Projekt „Exploration of the Regeneration and Sustainable Development of the Traditional Residential Environment on South Huangpi Road” auf die Feinheit des Zwischenraums: Inmitten eines vielschichtigen Stadtgefüges aus historischen Texturen und dichter Blockstruktur entsteht durch Terrassen, Passagen und bepflanzte Höfe ein Gebäude, das sich fast selbstverständlich in den Alltag der Stadt einschreibt.

© Lacime Architects

Nachhaltigkeit als Ausgangspunkt des Entwerfens

Gemeinsam ist beiden Projekten, dass sie Nachhaltigkeit nicht als technische Ergänzung begreifen, sondern als Ausgangspunkt des Entwerfens. Die Form resultiert aus klimatischen Überlegungen; Tragwerk, Hülle und Nutzung bilden Systeme, die Energie vermeiden, bevor sie erzeugt oder kompensiert werden muss. Nachhaltigkeit wird hier nicht nachgewiesen, sondern räumlich gedacht.

© CreatAR Image

Hochhaus als Klimaorganismus

Das CSCEC Headquarters versteht das Hochhaus als Klimaorganismus. Zwölf außenliegende Megastützen ermöglichen offene, wandelbare Innenräume; ein hoher Vorfertigungsgrad und robotisierte Montageprozesse reduzieren Emissionen und steigern die Präzision. Ein mehrgeschossiges Atrium dient als Kaltluftschneise, die Fassade arbeitet nach dem Solarkaminprinzip, Photovoltaikflächen übernehmen einen bedeutenden Teil der Energieversorgung. Das Hochhaus stimmt sich auf sein Klima ein, statt sich gegen es abzuschotten.

© gmp Architekten

Räumliche Mikroklimata in Shanghai

An der South Huangpi Road wird dieselbe Haltung im Maßstab des Quartiers sichtbar. Hier entstehen räumliche Mikroklimata: Terrassen und Gärten spenden Schatten und Verdunstungskühle, geschichtete Fassaden moderieren Licht und Luft. Offene Erdgeschosszonen verweben das Gebäude mit dem öffentlichen Raum und schaffen Orte, an denen Klima unmittelbar erlebbar wird.

© Lacime Architects

Beide Projekte zeigen, wie Architektur Wirkung entfalten kann, ohne sich zu inszenieren: indem sie Klima, Raum und Nutzung miteinander in Einklang bringt - und Nachhaltigkeit nicht behauptet, sondern in die Erfahrung des Alltags einschreibt. Dafür wurden sie im Oktober 2025 mit den Iconic Awards ausgezeichnet. Das Gebäude von gmp Architekten wurde darüber hinaus in der Zusatzkategorie „Circular Design“ gewürdigt - ein Zeichen dafür, dass auch kreislaufgerechte Ansätze überzeugend berücksichtigt wurden.

Erfahren Sie mehr über die Preisträger

Hersteller: Rat für Formgebung


Produktkategorie: Nachhaltiges Bauen


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