Paradigmenwechsel auf dem Flachdach: Starkregenereignisse und Hitzeinseln fordern ein Umdenken im urbanen Niederschlagsmanagement. Ein Gespräch mit Tobias Klinger vom Dachsystemhersteller Bauder über blau-grüne Städte und das Dach als Reservoir.
Welcher Wandel lässt sich bei der Planung von Flachdächern beobachten?
TK: Statt einer schnellen Entwässerung ist heute eher ein gedrosselter Ablauf gefragt. Wir erleben einen Wandel vom reinen Schutzdach zum multifunktionalen Nutzdach, das Regenwasser zurückhält. Mit dieser Schwammfunktion ist es möglich, Schadensrisiken zu reduzieren, klimatische Belastungen für die Anwohner abzumildern, Kosten im Tiefbau zu senken – und die verpflichtenden Forderungen aus dem Wasserhaushaltsgesetz zu erfüllen. Gerade in hochverdichteten innerstädtischen Lagen bieten Dachflächen große Potenziale, die sich als Soforthilfe nutzen lassen.
Vielfach halten sich noch Bedenken gegenüber gefällelosen Dächern. Schaffen die Normen heute Klarheit?
TK: In der Tat. Beim Null-Grad-Dach handelt es sich heute um eine normenkonforme Regel der Technik mit der entsprechenden Planungs- und Rechtssicherheit, die Zeit der „Sonderkonstruktion“ ist vorbei. Die Grundlage dafür bilden die jüngsten Novellierungen der DIN 18531 und der Flachdachrichtlinie. Daraus ergibt sich konkret: Wenn aus abwasserwirtschaftlichen Gründen eine Retention gefordert ist, darf und sollte ohne Gefälle geplant werden.

Was sind dabei die statischen Herausforderungen?
TK: Wichtig ist die Differenzierung zwischen permanenten Lasten und temporären Lasten. Der temporäre Anstau für den Starkregenrückhalt zählt zu den veränderlichen Umwelteinflüssen und wird häufig mit anderen Umwelteinflüssen verrechnet. Dringend zu empfehlen ist eine Abstimmung möglichst früh im Planungsprozess. Bauder unterstützt dabei auf Basis von etablierten Simulationsmodellen und stellt eine Lastenberechnung des Systems zur Verfügung.
Wo liegt der Unterschied zwischen einem Gründach und einem Retentionsdach hinsichtlich des Regenwassermanagements?
TK: Herkömmliche Gründächer verzögern den Abfluss nur in Abhängigkeit ihrer Sättigung. Ein Retentionsdach hingegen ermöglicht es, über exakt dimensionierte Drosseln die maximal zulässige Einleitmenge zu steuern und somit einen Beitrag zum kommunalen Überflutungsschutz zu leisten. Das entlastet zum einen die Kanalisation und erlaubt es zum anderen, nachgeschaltete Versickerungs- oder Rückhalteanlagen im oft knappen Freiraum wesentlich kleiner zu dimensionieren.
Mehr erfahrenHersteller: Bauder
Produktkategorie: Dach






