Brücke über den Traversinertobel

Brückenbau in der Schweiz beschert seit Generationen ein Meisterwerk nach dem anderen. Die herausragenden Schweizer Brücken überzeugen nicht allein durch konstruktive Souveränität, sondern auch durch gestalterische, skulpturale Kraft. Die Betonbrücken von Robert Maillart avancierten zu Pilgerstätten für Ingenieure und Architekten, und Christian Menn garantierte eine Kontinuität im ambitionierten Schweizer Brückenbau, die nun seit einigen Jahren von Jürg Conzett in individueller, vielfältiger Weise fortgesetzt wird. Jürg Conzett lässt sich nicht auf ein Baumaterial oder einen Konstruktionstypus festlegen und experimentiert ausgesprochen gern. Er ist dem Neuen nicht um seiner selbst willen auf der Spur, sondern sucht, was an einem bestimmten Ort mit verfügbaren Baustoffen konstruktiv und gestalterisch optimiert werden kann. Bemerkenswert dabei: Ausgerechnet die Baugeschichte ist ein Steckenpferd von ihm – kennen zu lernen und anzuerkennen, was die Vorfahren geleistet haben, gehört für ihn allerdings selbstverständlich zum Metier. Geschichtskenntnisse fördern das Verständnis für Pluralität, und Jürg Conzett baut entsprechend mal ein Holzsprengwerk für eine Straßenbrücke, mal ein stahlunterspanntes Raumfachwerk für einen Fußgängersteg, mal eine Hub-, mal eine Steinbogenbrücke.

Brücke über den Traversinertobel
© Wilfried Dechau