Sommerhaus auf Valentinswerder

Zwei Familien, die sich ein schmales Grundstück auf der Insel Valentinswerder im Tegeler See teilen, mussten nach einem Brand Ersatz für ihr zerstörtes Schlafhaus schaffen. Wegen des knappen Budgets ließen sie sich auf das Abenteuer ein, den Studenten der UdK Berlin nicht nur den Entwurf anzuvertrauen, sondern das Projekt auch von ihnen erbauen zu lassen. Die Insel ist ein beliebtes Ausflugziel der Berliner, geprägt von idyllisch verwildertem Grün, mit einem Campingplatz, ein paar Villen und einfachen Gartenhäusern. Das gemeinsam von beiden Familien genutzte Vorderhaus, das nun Küche und Wohnraum beherbergt, war vom Feuer verschont geblieben. Ein hölzerner Steg als Verbindung von Neu und Alt, Architektur und Natur, schwebt scheinbar über dem Boden und wandelt sich vom schmalen Weg bis hin zur Sonnenterrasse. Aus dieser Fläche entwickeln sich die zwei neuen Schlafhäuser dreidimensional modelliert heraus. Die Einräume sind auf das Wesentliche reduziert, einer hoch und schmal, der andere lang gestreckt. Es entstehen Durchblicke, Einblicke, die Häuser kommunizieren miteinander. Dem Wunsch der Bauherrn nach getrennten Schlafzimmern für Eltern und Kinder kam die Entwurfsgruppe mit einfachsten Mitteln nach, indem sie in einem Fall ein aufklappbares Schrankelement als Raumteiler einsetzten, im anderen dient eine Galerie als Hochbett. Nachdem die Studenten mit Kunststoff, Lehm und sogar mit gepressten Telefonbüchern experimentiert hatten, landeten sie letztlich beim Baustoff Holz als geeignetes und dennoch kostengünstiges Material. Sie entwickelten die Konstruktionsdetails entsprechend den jeweiligen Anforderungen, logisch und einfach ausführbar. Die sommerliche Nutzung und das gute Verhältnis zum Bauherrn machten sie unabhängig von DIN-Normen und Wärmeschutzverordnungen. Für die Fassaden und Dächer wurde das Lärchenholz des Stegs verwendet. Innen sind die Bauten mit großflächigen, in verschiedenen Grüntönen lasierten Birkensperrholztafeln verkleidet. Die angehenden Architekten entwarfen die Fenster als Prototypen und fertigten sie selbst an. Mit einem einfachen Mechanismus können die Bewohner die großen gläsernen Elemente leicht zur Seite kurbeln. Die Holzverkleidung der äußeren Hülle ist unbehandelt und wird im Lauf der Zeit verwittern, die lackierten Fensterrahmen treten auch außen in Erscheinung und können nachbehandelt oder ausgetauscht werden. Eine Komposttoilette und kaltes Wasser sind vielleicht nicht jedermanns Sache, in den beiden archetypischen Häusern ist Wohnen jedoch in einer ursprünglichen Form möglich.

Sommerhaus auf Valentinswerder
© Werner Huthmacher/artur