Auf 2154 m Höhe, unterhalb des Hauptgipfels des Hochschwab, liegt das neue Schiestlhaus des österreichischen Touristenklubs. Die Schutzhütte in Passivhausqualität ersetzt das alte Schiestlhaus, das nach 120 Jahren am Ende seiner Lebensdauer angelangt war. In einem vorangegangenen Forschungsprojekt wurde eine Reihe besonderer Lösungen für dieses Pilotvorhaben erarbeitet. Für die hochalpine Insellage, mit starker Sonneneinstrahlung doch ohne jegliche Infrastruktur, erscheinen aktive wie passive Solartechnik sowie Regenwassernutzung besonders sinnvoll. Der Bauplatz im Trinkwasserschutzgebiet der zweiten Wiener Hochquellenwasserleitung stellte zudem besondere Anforderungen an Abwasserreinigung und -entsorgung. Der Standort wurde mittels Sonnenwegdiagramm analysiert, um Ausrichtung und Entwurf auf größtmögliche solare Gewinne hin zu optimieren. Außerdem ist das Gebäude auf einem starken Winden ausgesetzten Sattel positioniert, sodass auch in strengen Wintern der Zugang zum Notlager freigeblasen wird. Die hochgedämmten und weitgehend geschlossenen Nord-, West- und Ostseiten, um die sich im Winter ein schützender Panzer aus Eis und Schnee legt, minimieren die thermischen Verluste des kompakten Pultdachhauses. Die windabgewandte Südfassade öffnet sich mit großflächigen Solarpaneelen und Passivhausfenstern zur Sonne. Im Innern sind die Nutzungen entsprechend ihrer thermischen Anforderungen angeordnet. Häufig genutzte Aufenthaltsräume wie Gästezimmer und Stuben orientieren sich nach Süden; großflächige Dreifachisolierglasfenster fangen die solare Wärme ein, ohne Komforteinbußen durch Kaltluftabfall an den Scheiben. Außerdem bieten sie direkten Blick auf das Gipfelpanorama. Erschließung und Nebenräume befinden sich auf der Nordseite und in der Kernzone. So kann das neue Schiestlhaus bei durchschnittlicher Belegung – und entsprechendem Wärmeeintrag durch Besucher und Küche – thermisch autark betrieben werden.
