Synagoge in München

Eine Folge von Plätzen und Wegen, die unmittelbar an die drei Gebäude reichen, umgibt das Jüdische Zentrum am St. Jakobsplatz inmitten der Altstadt Münchens. Mit ihrem Entwurf verfolgten die Architekten das Ziel, das Ensemble über den öffentlichen Raum mit der Stadtstruktur zu verweben – erlebbar in selbstverständlicher Offenheit. Die Synagoge steht als wichtigstes Gebäude nach Osten ausgerichtet frei im Platz, in ausbalancierter Beziehung zum Jüdischen Museum und dem Gemeindezentrum. Ihr geschlossener, natursteinverkleideter Sockel umgibt den Gebetsraum schützend und verweist, Dauerhaftigkeit ausstrahlend, auf den Tempel Salomons. Darüber erhebt sich die filigrane Stahlkonstruktion der Dachlaterne. Von einem Bronzegewebe umhüllt, bezieht sich ihre transluzente, mehrschichtige Hülle auf das erste israelitische Heiligtum, das zerlegbare und transportable Stiftszelt. Den kraftvollen, archaischen Krustenplatten aus Travertin, die dem Sockel sein plastisches Relief verleihen, steht damit eine optisch fragile Hülle gegenüber, in der drei Ebenen zusammenwirken: das textil wirkende äußere Gewebe aus spiralförmigen Bronzebändern und -stäben, eine innere, aus Stahlblechen verschweißte Tragstruktur, deren Dreiecksmuster an die Geometrie des Davidsterns erinnert, sowie die dazwischen liegende Glasebene mit bronzenen Deckleisten. Erschlossen wird die Synagoge über ihr westlich vorgelagertes Foyer. Im Inneren umfassen Zedernholz und Naturstein aus Israel den Gebetsraum, dessen räumliche Organisation vom zentral angeordneten, erhöhten Almemor als geistiger Mitte sowie der Längsachse zwischen Zugang und Tho-raschrein an der Ostwand bestimmt wird. Ein großes Tor schützt die Thoranische, die bei Tag über eine Dachverglasung natürliches Licht von oben erhält. Auf den Emporen entlang der Längswände sind die Frauenplätze deutlich getrennt angeordnet, räumlich jedoch großzügig in den Gottesdienst einbezogen. Der Schattenwurf des Sonnenlichts transportiert das Ornament der Dachstruktur auf die hölzernen Oberflächen des Gebetsraums. Eine Treppe im Foyer führt in das Untergeschoss, das neben der Tagessynagoge und den Becken für rituelle Waschungen auch Technik- und Nebenräume enthält. Während der Wochentage dient ein unterirdischer Gang als Zugang vom Gemeindezentrum. Dieser enthält eine Lichtinstallation mit den Namen der 4500 Münchner Opfer der Shoah.

Synagoge in München
© Roland Halbe