Letzigrund-Stadion in Zürich

Der Neubau des Letzigrund-Stadions erhitzte wie selten die Gemüter der Züricher Fußballfans. Schon der Altbau, der 1925 seine Pforten öffnete, war als Identitätsträger des Stadtrandviertels emotional belegt. Um die Fans heute aus dem Fernsehsessel zu locken, müssen Fußballstadien immer mehr bieten. Die UEFA wählt für Welt- und Europameisterschaften meist Standorte mit neuen Stadien aus. Um diese zu finanzieren, werden oft Mantelnutzungen angegliedert. Für die Europameisterschaft 2008 machten Österreich und die Schweiz das Rennen als Austragungsorte. Zürich plante dafür den Neubau des privat finanzierten Hardturm-Stadions. Bürgerproteste hielten den Bau jedoch auf, sodass er nicht rechtzeitig fertiggestellt wurde. Zeitgleich entschied sich die Stadt für den Neubau des Letzigrund-Stadions, da dies sinnvoller erschien als die Sanierung. So lag es nahe, diesen Bau voranzutreiben und so die Teilnahme doch noch zu ermöglichen. In dem von der Stadt finanzierten Gebäude gibt es keine Mantelnutzungen. Das Konzept des bürgernahen Stadions als erweiterter Stadtraum musste für die Euro 2008 auf 40 bis 50 Spiele der Super League, internationale Leichtathletik-Meetings und vier Großkonzerte pro Jahr ausgelegt werden. Die termingerechte Fertigstellung wurde zum nervenaufreibenden Wettlauf mit der Zeit. Zudem musste das alte Stadion in Betrieb bleiben, während das neue an gleicher Stelle errichtet wurde. Die neuen Nebenraumtrakte wurden daher außerhalb des Altbaus in die Westtribüne verlagert; so konnte der Bau beginnen, während der Altbau noch ein Jahr genutzt wurde. Das Spielfeld ist nach dem Vorbild antiker Amphitheater einige Meter in den Grund versenkt und von Tribünen umgeben. Der niedrige Bau respektiert den Maßstab des Viertels. Eine umlaufende Rampe mit Blick auf Stadt und Stadion gleicht die Niveauunterschiede aus. Um die Offenheit zu betonen, gibt es keine abschließenden Fassaden; als Zugangskontrolle dient eine visuell durchlässige Grenze entlang der Straßen. Die acht Zugänge sind außerhalb der Veranstaltungen offen, sodass die Bürger »ihr Stadion« frei nutzen können.

Letzigrund-Stadion in Zürich
© Yves André