Die historische Inszenierung war Leitlinie der Architekten bei der Neugestaltung des denkmalgeschützten Werkhofs der Gefängnissiedlung Veenhuizen. Der lange von der Außenwelt abgeschottete, etwa 170 km nördlich von Amsterdam gelegene klassizistische Gebäudekomplex sollte nicht einfach nur vorgeführt werden, sondern mit den Elementen der Architektur etwas über seine Geschichte erzählen. Anfang des 19. Jahrhunderts als offen zugängliche »Besserungsanstalt für die verwilderte Unterklasse« angelegt, wurde der Ort bald darauf zu einer abgeriegelten Strafkolonie. Erst durch die in den letzten Jahren in Angriff genommene Umnutzung einiger Teile tritt seine historische Bedeutung als »Idealstadt« zutage. Den Handwerkshof, eine Ansammlung kleiner Handwerksbetriebe zur Beschäftigung von Strafgefangenen, bauten die Architekten zum Museum und Zentrum für historisches Handwerk um. Zunächst wurden zur Freilegung der ursprünglichen Erscheinung alle im Lauf der Zeit hinzugefügten Schuppen und Anbauten entfernt (etwa 40 % der Bausubstanz) und so der frühere Charakter als Ort äußerster Rigidität und Strenge für den Besucher offen gelegt. Für die durch den Abriss entstandenen Öffnungen entwarfen die Architekten neue Elemente aus großzügigen, vier Meter hohen Festverglasungen mit Türen aus schwarz emailliertem Spiegelglas, die sie als neue historische Schicht außen überlappend vor die Öffnungen stellen. Wie großmaßstäbliche Vitrinen präsentieren diese die Originalgebäude in ihrer Authentizität. Für einen Museumsraum erwies sich die alte Schmiede mit ihrer beeindruckenden Dachkonstruktion als interessantestes und am besten geeignetes Gebäude des Handwerkshofes. Die Architekten entfernten die vorhandene Zwischenwand im Erdgeschoss und öffneten die Decke auf einer Fläche von ca. 10 × 10 m zum Dachgeschoss, um die Dachkonstruktion räumlich erlebbar zu machen. Zurückhaltend detailliert und einschließlich des Bodens einheitlich weiß gehalten betont der neue Innenraum die Homogenität und Synthese mit der historischen Substanz.
