Schräg vis-à-vis der neuen Oper Kopenhagens, nur getrennt durch das Hafenbecken, eröffnete Mitte 2008 das New Royal Theatre seine Pforten. Dort besetzt es einen der prominentesten Standorte der Stadt, als Schnittstelle zwischen dem historischen Viertel Frederiksstad und dem Stadthafen. Ein hölzernes Deck schiebt sich weit ins Hafenbecken und bietet den Besuchern eine eindrucksvolle Eingangssituation mit Blick auf die elegante Uferbebauung und das Meer. Der Bühnentrakt nimmt mit seiner Ziegelfassade Bezug auf die alten Lagergebäude am Hafen, während das darüber schwebende gläserne Künstlergeschoss, mit Kantine und Garderoben, sich davon löst und mit seinen raumhohen Stahlträgern weit über das Wasser auskragt. Aus dieser Ebene erhebt sich die kupferne Verkleidung des Bühnenturms. Die Ziegelfassade setzt sich im Foyer fort und hebt so die gläserne Grenze zwischen Innen- und Außenraum auf. Eine der drei Bühnen kann zudem von außen bespielt werden. Im Herzen des steinernen Trakts scheint der Hauptbühnenraum höhlenartig aus der Mauermasse herausgeschnitten. Den eigentlichen Entwurf des Raums entwickelten die Architekten erst nach dem Wettbewerb zusammen mit dem Royal Theatre. Gewünscht war ein Ort, der Magie und Intimität ausstrahlt und der die bis zu 650 Zuschauer den Schauspielern möglichst nahe bringt. Daneben mussten die akustischen Anforderungen wie z. B. eine Nachhallzeit von einer Sekunde sowie optimale Schallbrechung und -streuung erfüllt werden. An einem 1:5-Modell wurden die dafür nötigen Messungen ausgeführt. Die exakte Platzierung der rauen, horizontal verspringenden Steine wurde hierbei genau festgelegt. Alle Ziegel des Gebäudes sind als moderne Interpretation der traditionellen dänischen Form speziell entworfen und handgefertigt. Durch die innenbündige Anordnung der Fenster wird die Stärke der Wände außen sichtbar und verleiht ihnen Schwere. Die Klinker- und Kupferfassaden sind geprägt von horizontalen Linien, im Kontrast zum gläsernen Fries des Künstlergeschosses als abgesetztes Element. Das sehr lange Ziegelformat akzentuiert diese Idee, was von den bündigen Stoßfugen und zurückgesetzten Lagerfugen unterstützt wird. Um einen Mustereffekt im Mauerwerk zu vermeiden, sind die Stoßfugen vertikal versetzt angeordnet. Der Verband wiederholt sich erst nach 22 Reihen und 432 cm Breite. Englischer Ton, welcher sehr heiß gebrannt werden kann, verleiht dem Mauerwerk rustikalen Charakter, denn die hohen Temperaturen rufen beim Ziegel Unregelmäßigkeiten hervor, die ihn rau erscheinen lassen. Der hart gebrannte sandgestrahlte Klinker ist zudem für die Fassadenflächen im Wasser geeignet – nicht unerheblich für ein Gebäude, das mit dem »Fuß« im Hafenbecken steht.
