Kloster auf Tautra

»Dem Himmel so nah« könnte der Besucher der Kirche Tautra Maria ausrufen beim Anblick der grandiosen Natur, die sich ihm durch die gläserne Wand hinter dem Altar bietet. Transparent zeigt sich auch die Dachhaut, durch die die Sonnenstrahlen einfallen und mithilfe der netzartig wirkenden, hölzernen Konstruktion für ein lebhaftes Licht- und Schattenspiel im Innern sorgen. Der Andachtsraum bildet den Kopfbau des 2006 neu erbauten Klosters auf der kleinen Insel Tautra im Trondheimfjord. Hierhin, in die Abgeschiedenheit des Nordens und unweit der Ruinen einer mittelalterlichen Zisterzienserabtei, zog es vor wenigen Jahren einige Nonnen des Trappistinnenordens aus den USA. Die architektonische Gestaltung der Anlage spiegelt die geistige Haltung des Ordens wider: zwischen kontemplativer Einkehr und Zurückgezogenheit auf der einen und Gastfreundschaft, Weltzugewandtheit auf der anderen Seite. Ein einfaches Rechteck – 82 m lang, 29 m breit – umschließt das Innere, gibt sich auf der dem Meer zugewandten Seite mit vielen verglasten Flächen der Landschaft verbunden und auf der »weltlichen« Landseite geschlossen. Im Kern trifft man auf ein Geflecht unterschiedlichster Außen- und Innenräume, die Privatheit und Konzentration ermöglichen und in ihrer Heterogenität der Klosteranlage fast die Erscheinung eines gewachsenen Dorfs verleihen. Um diesen differenzierten Situationen – kaum ein Raum gleicht in seinen Abmessungen dem anderen – konstruktiv auf einfachem Wege begegnen zu können, wählten die Architekten für das Tragwerk fast einheitlich Brettschichtholz mit dem großzügigen Querschnitt von 215 × 215 mm. Dieses Maß ergab sich aus der notwendigen Fassadenstärke, die bei den stark bewitterten Außenwänden durch eine Schieferverkleidung, bei den Hoffassaden durch eine Holzschalung ergänzt wird. Obwohl einige Aussteifungen oder Stützen dadurch offensichtlich überdimensioniert sind, war dies jedoch kostengünstiger als zahlreiche Details auszuarbeiten.

Kloster auf Tautra
© David Churchill/www.arcaid.co.uk