In der Vorarlberger Gemeinde Schlins steht das Wohn- und Atelierhaus des Lehmbaupioniers Martin Rauch an einem steilen Südhang. Konsequent wird der aus dem Aushub gewonnene Lehm als Baustoff vom Fundament bis zum Dach verwendet, für die Außenwände ebenso wie im Innenausbau. Überraschend ist dabei die Vielgestaltigkeit des Materials: Erdfeucht wurde der Lehm für Stampflehmwände, Bodenaufbauten und auch für den Küchenherd verwendet, gebrannt als wasserfester Plattenbelag für Terrasse und Dach, in Raku-Technik gebrannt als ornamentale Keramikfliesen. Mit Trasskalk gebunden und stahlarmiert bildet er die Treppenstufen. Die unbehandelten Fassadenoberflächen wirken rau und spröde, die Körnung ist ebenso sichtbar wie die horizontalen Schichten des Herstellungsprozesses (s. S. 456). Im Lauf der Jahre wird das Äußere kontrolliert verwittern. Demgegenüber zeigt das Innere des Gebäudes auch die »weiche« Seite des Baustoffs Lehm. Decken und Wände der Wohn- und Schlafräume tragen einen feinen Lehmputz mit Zuschlag aus Marmormehl, der alabasterartig wirkt und im Zusammenspiel mit den schimmernden, gewachsten Lehmböden und großen Fensterflächen dem quasi monolithischen Baukörper eine Lichtfülle und Leichtigkeit verleihen, die für einen Lehm-Massivbau ungewöhnlich sind. So vereint das Gebäude moderne Architektursprache und archaisches Baumaterial.
