Wohnhaus bei Ludwigsburg

Die expressive Villa wächst buchstäblich aus der Rasenfläche und dehnt sich nach allen Seiten des Hangs aus. Die Form entstand aus der ungewöhnlichen Umrisslinie eines im Lauf der Jahre ständig umgebau-ten Bestandsbaus. Dieser »Fußabdruck« generiert das Erdgeschoss und kommt im Obergeschoss verdreht und leicht modifiziert wieder zum Einsatz. Fassaden und Wände nehmen die Drehung auf, sodass sich spannungsvolle fließende Räume ergeben. Im Raumkontinuum stellt die zweigeschossige Lobby Mittelpunkt und Verteiler dar. Die Bestandstreppe diente als Basis für den Treppenkern. Hinter der futuristisch anmutenden Fassade verbirgt sich ein erstaunlich konventioneller Aufbau: Stahlbeton mit einem verputzten Wärmedämmverbundsystem. Die Besonderheit liegt in der Verarbeitung: Die Mineralschaumplatten wurden in Kreisbogensegmente in nur zwei Radien gesägt, gedübelt, geklebt und vor Ort in Form geraspelt sowie geschliffen. Eine computergestützte Vorfertigung kam nicht in Frage, da durch den teilweise erhaltenen Bestand zu große Maßtoleranzen entstehen und zudem der Planungsvorlauf zu kurz war: Modifizierungen mussten auch während der Bauphase noch möglich sein. Klassische Anschlussdetails mit Verblechungen im Attika- und Fensterbereich hätten den skulpturalen Eindruck beeinträchtigt. Zum Schutz der Anschlüsse und besonders beanspruchter Stellen der Hülle wurde daher ein spezielles System entwickelt, das dem Erscheinungsbild entspricht: Bündig mit der Putzebene sind diese Stellen mit einer Polyurethanschicht versehen, dann lackiert und mit UV-Schutzanstrich behandelt. Mechanisch beanspruchte Bauteile wie die Attika oder die Brüstungen sind zusätzlich mit einer Schichtholzplatte verstärkt. Im Kontrast zu den weißen Flächen stehen die präzise in das Volumen eingesetzten schwarzen Blendrahmen der Fenster aus glasfaserverstärktem schwarz lackiertem Kunststoff, die die abstrakte Erscheinung noch verstärken.

Wohnhaus bei Ludwigsburg
© David Franck