Die Aktivisten von raumlabor berlin untersuchen, wie man desolate Stadträume mit Kunst aufwerten kann. Anstelle konventioneller »Monumente«, die oft unbeachtet bleiben, setzen sie auf spektakuläre temporäre Aktionen, die die Menschen aktiv miteinbeziehen. Ihre soziale Skulptur »Küchenmonument« thematisiert die Tatsache, dass die wirklich wichtigen Fragestellungen in der vertrauten Atmosphäre am heimischen Küchentisch ausgetauscht werden. Um relevante Themen in der Öffentlichkeit zu diskutieren, müsste man folglich einen Küchentisch im öffentlichen Raum aufstellen. Die Anforderungen nach einem kostengünstigen Witterungsschutz, der einfach auf- und abbaubar sowie transportierbar ist, führten schließlich zu der Pneukonstruktion, die seither die Passanten und Nutzer zum Staunen und Schmunzeln bringt. Auf- und Abbau gehören zur Inszenierung der Installation, die auch als Konferenzraum oder Kino für bis zu 120 Personen, als Schlafsaal oder Dampfbad einsetzbar ist. Zunächst steht der komplett geschlossene modifizierte Bauwagen eine Woche lang wie eine rätselhafte abstrakte Skulptur aus Zinkblech im Stadtraum. Aus dem Inneren dringen Geräusche eines großen Festmahls, die die Passanten rätseln lassen, wie so viele Menschen in den Wagen passen. Erst wenn die Türen geöffnet werden, lüftet sich das Geheimnis, werden die Lautsprecher und die Funktion als Stauraum für den Folienpneu ersichtlich. Ausgerollt und aufgeblasen gleicht er einem transluzenten Zeppelin, in dem Tische und Bänke aufgestellt werden. Je nach Standort steht die Blase frei, quetscht sich unter Brücken oder drückt sich gegen Bäume und Häuser. Von innen gesehen wirkt die Außenwelt wie hinter einem leichten Schleier, akustisch bleibt der Kontakt ungefiltert bestehen. Der mit grauem Filz ausgeschlagene Bauwagen wird jetzt zur Eingangschleuse mit integrierter Garderobe, Beleuchtung und Theke. Ein Ventilator unter der Eintrittsrampe aus Gitterblech füllt den 18 m langen und 6,5 m hohen Folienschlauch kontinuierlich mit Luft.
