Bei den Erweiterungsbauten der Krankenpflegeschule in der westfranzösischen Stadt Niort akzentuieren Natursteinflächen die weißen Gebäudevolumina. Der regionale, das Stadtbild prägende Kalkstein ist hier auf ungewöhnliche Weise eingesetzt: als luft- und lichtdurchlässige Umhüllung des runden Fluchttreppenhauses und als massives Packbeton-Mauerwerk der Hörsaalfassade. Beim Treppenhaus sind die Kalksteine auf Lücke gesetzt und mit Kleber fixiert; die Licht- und Schatteneffekte betonen die plastische Wirkung des zylindrischen Baukörpers. Im Gegensatz dazu steht die flächige Textur der Natursteinwand des Hörsaals: Die straßenseitige Fassade nimmt Bezug auf die bestehenden Einfassungsmauern aus Kalkstein, übersetzt sie jedoch in eine andere Bauweise. Nur die Außenseite besteht aus Kalksteinen, rückseitig sind sie in eine circa 20 cm starke, armierte Betonwand eingegossen. Dazu werden die Steine – aus Abbruchmaterial ohne weitere Bearbeitung – mit Abstand zueinander in die Schalung eingelegt, sodass sich der Beton in den Zwischenräumen verteilen kann (s. Schema S. 1033). Vor Ort angemischt, wird er Schicht um Schicht manuell eingebracht und verdichtet; er sollte eine entsprechende Konsistenz aufweisen, sodass die Vorderseite der Steine nicht bedeckt und das Fugenmuster verunklärt wird. Durch die monochrome »Netzstruktur« ist die Natursteinwand in die klaren Gebäudeformen integriert.
