Kritisch betrachtet: Phantom als Oper? Zaha Hadids Guangzhou Opera House

Aufblitzende Säbel, schrilles Geschrei, akrobatische Salti in ausladenden exotisch bunten Gewändern und angsteinflößende Masken sind die unabdingbaren Ingredienzien der chinesischen Oper. In der Kulturrevolution unter Mao wurde diese seit der Tang-Dynastie bestehende traditionelle Form des Sprech- und Musiktheaters durch heroische Massenchoreografien des Klassenkampfs mit nationalistischem Pathos verdrängt. Inzwischen ist auch die im Westen gepflegte Form der Oper in China ein fester Bestandteil der Kultur und auch in China versucht jede Stadt, die etwas auf sich hält, mit einem möglichst international ambitionierten Opernhaus im Wettbewerb der Metropolen zu punkten. Vorgelegt hatte das mondäne Schanghai, das sich von den französischen Architekten France’s Arte Jean-Marie Charpentier & Associates im Jahre 1998 das »Grand Theater« mit 1800 Sitzplätzen errichten ließ. Pünktlich vor der Olympiade 2008 toppte die Hauptstadt Peking mit dem »Zentrum für Darstellende Kunst« von Paul Andreu, dem so genannten »Birds Egg«, das unter einer eiförmigen Mega-Hülle aus Glas und Titan eine Oper für 2500 Zuschauer, ein Musiktheater für 2000 Zuschauer und ein Theater für chinesische Oper mit 1000 Sitzplätzen in sich vereint (s. Detail 7/8/2008, S. 734f.Seit dem Wettbewerbsgewinn 2002 von Zaha Hadid richtet sich nun die Aufmerksamkeit auf Guangzhou, das ehemalige Kanton. Denn während in Schanghai ein monumentaler belangloser postmoderner Bau entstanden ist und das gigantische Birds Egg in Peking von der Bevölkerung als monströser Fremdkörper abgelehnt und von westlichen Medien weitgehend ignoriert wurde, versprachen sich Bauherren und die Fachwelt in Guangzhou ein Meisterwerk der neuen parametrischen Computerarchitektur. Im Februar 2011 schließlich präsentierte Zaha Hadid die Guangzhou Opera der Öffentlichkeit, doch kann die Oper die hochgesteckten Erwartungen erfüllen?

Kritisch betrachtet: Phantom als Oper? Zaha Hadids Guangzhou Opera House
Aufgang U-Bahn © Iwan Baan