In der kargen Landschaft des St. Gotthard-Passes auf über 2000 Metern Höhe finden seit dem 13. Jahrhundert Reisende, Pilger und Händler Unterkunft im Alten Hospiz. Durch Krieg, Brand und Lawine mehrmals zerstört und wieder aufgebaut, erhebt sich der ursprünglich heterogene Baukörper jetzt trutzig und archaisch, um ein Geschoss erweitert, unter dem neuen bleiernen Dach. Zahlreiche Gauben verweisen auf die neuen Hotelzimmer. Die Architekten erhielten die Fassaden und die im Norden angegliederte Kapelle in ihrer ursprünglichen Form und entfernten lediglich eine Aufstockung aus jüngerer Zeit, während sie die innere Struktur des Hospizes fast vollständig erneuerten, um aufwändige Umbaumaßnahmen der unzeitgemäßen Einbauten zu vermeiden. In den unteren beiden Geschossen sind massive Innenwände und Decken eingefügt. Darüber sorgt eine Holzständerkonstruktion auf der Innenseite der alten Bruchsteinfassade für ausreichende Wärmedämmung und dient als Auflager für die neuen Holzbalkendecken und die Dachkonstruktion. Die Ständer sind mit horizontal gelagerten Bohlen ausgefacht – eine traditionelle Bauweise im Kanton Uri. Die Zimmerer konnten die Holzelemente im Tal abbinden und in der kurzen schneefreien Periode auf dem Pass montieren. Ein auf das Mauerwerk des ersten Obergeschosses aufgesetztes Betonband sichert die Mauerkrone und nimmt die Schubkräfte des neuen Dachstuhls auf. Neue und alte Putzstruktur der Fassade gehen nahtlos ineinander über, neue Kastenfenster des ergänzten Stockwerks zitieren die restaurierten Elemente im unteren Bereich. Im ersten Obergeschoss empfangen den Gast die Gemeinschaftseinrichtungen, die er über die historische Treppe erreicht: eine große Stube mit altem Ofen, ein Lesezimmer und eine Teeküche. Darüber erstrecken sich beidseitig des Flurs die Gästezimmer. Die durchgehende Verkleidung von Wänden, Decken und Böden mit unbehandelter Fichte verleiht ihnen einen urtümlichen Charakter als Referenz an die Vergangenheit.
