Hotel »The Waterhouse« in Schanghai

Die Gegend um den South Bund am Ufer des Huangpu, östlich der Altstadt und nahe des In-Viertels »Cool Docks« gelegen, war das Hafenviertel Schanghais. In großen Teilen ist hier die historische Stadtstruktur aus den 1920er- und 1930er- Jahren noch vorhanden, und drei- bis viergeschossige Handels- und Lagerhäuser prägen das Stadtbild. Verkauf und Umnutzung eines Gebäudes bedeutete in Chinas rasantem Aufschwung der letzten Jahre meist Abriss und Wiederaufbau mit westlich orientierter Hochhausarchitektur in Stahl und Glas. Die gegenüberliegende Skyline von Pudong zeigt dies eindrücklich. Mit dem Erhalt und Umbau von drei Lagerhallen zu einem Hotel beschreiten die Architekten hier einen anderen Weg. Sie interpretieren das moderne Schanghai, indem sie Altes und Neues gleichberechtigt nebeneinander stellen und Eingriffe in den Bestand auf ein Mindestmaß reduzieren. Selbst Rußspuren, Löcher, Putz- und Fliesenreste auf den Wandoberflächen im öffentlichen Bereich des Hotels sind erhalten. Notwendige Treppen, Decken und Stützen wurden in Sichtbeton ergänzt. Die bestehende Fassade zum Innenhof ist saniert und weiß gestrichen. Im Kontrast dazu sind die Straßenseiten mit optisch kaum wahrnehmbaren Mitteln instandgesetzt. Ein besonderes Raumerlebnis mit Blickbeziehungen zwischen privaten und öffentlichen Bereichen schaffen Glasflächen und Stege im Inneren des Gebäudes. Sie gestatten Einblicke in Hotelzimmer, Durchblicke in angrenzende Räume oder in das Restaurant. Den Grad der Privatheit entscheidet der Gast selbst, mit blickdichten Vorhängen ist auch der Rückzug möglich. Das neue Dachgeschoss erhielt in Anlehnung an die frühere Nutzung als Hafendepot eine Stahlhülle mit vorbewitterter Oberfläche. Die hohen Glaselemente setzen Lichtakzente im Innenraum und bieten dem Besucher grandiose Ausblicke. Von außen scheint es, als blicke »The Waterhouse« neugierig aber gelassen auf das geschäftige Treiben und die glitzernde Welt auf der anderen Seite des Flusses.

Hotel »The Waterhouse« in Schanghai
© Derrick Menere