Museum Brandhorst in München

Vier Jahrzehnte lang hatten Udo und Anette Brandhorst Kunst aus dem 20. und dem frühen 21. Jahrhundert zusammengetragen, bis sie ihre etwa 700 Werke umfassende Sammlung in eine Stiftung umwandelten und schließlich dem Land Bayern als unbegrenzte Dauerleihgabe zur Verfügung stellten. Den Schwerpunkt bilden 60 großformatige Gemälde Cy Twomblys sowie 100 Werke Andy Warhols. Um die Kunstwerke einem breiten Publikum zugänglich zu machen, wurde ein ursprünglich für die Erweiterung der Pinakothek der Moderne vorgesehenes Grundstück dem Museumsneubau gewidmet. Nach Überarbeitung ihres zum Wettbewerb 2002 eingereichten Beitrags erhielten Sauerbruch Hutton Architekten den Planungsauftrag. Mit der Lage des Eingangs im aufragenden Kopfbau im Norden bezieht sich das Museum eher auf das angrenzende städtische Umfeld als auf das benachbarte Museumsareal. Von außen prägt die Textur der Fassadenbekleidung aus verschiedenfarbig glasierten Keramikstäben den dreigeschossigen, kubischen Baukörper, der das langgezogene Grundstück unter maximaler Ausnutzung der baurechtlichen Möglichkeiten füllt. Die Farbkontraste der in unterschiedlich hellen Gruppen angeordneten Stäbe akzentuieren die Fassaden und verleihen ihnen eine weiche, vielschichtige Wirkung. Ein horizontales Fensterband auf mittlerer Höhe mit ausgeklappten Lichtlenkelementen und eine begehbare Gitterrostfläche über dem Untergeschoss lassen bereits ahnen, dass das Museum bezüglich der Lichtführung im Inneren Besonderes zu bieten hat, und tatsächlich werden durch raffinierte räumliche Verschränkung alle Ebenen mit Tageslicht versorgt. Die Ausstellungssäle konzipierten die Architekten als Folge klassischer, ruhiger Räume ähnlichen Typs, aber unterschiedlicher Größe und Proportion – kleinere im Erdgeschoss, größere im Obergeschoss – bis hin zum 9 Meter hohen, speziell für Cy Twomblys Lepanto-Zyklus entworfenen Saal mit polygonalem Grundriss. Das Thema der Enfilade ist dabei durch verspringende Durchgänge ohne gerade Durchblicke variiert.

Museum Brandhorst in München
© Rainer Viertlböck