Theater und Kongresszentrum Agora in Lelystad

Wo heute die niederländische Provinz Flevoland liegt, war bis vor 60 Jahren noch die Zuidersee. Im Zuge der Neulandgewinnung wurden große Teile dieser Nordseebucht trockengelegt, um mehrere Städte zu gründen, unter anderem 1967 die Hauptstadt Lelystad. Die damals angestrebte Einwohnerzahl von 120.000 wurde jedoch bei Weitem nicht erreicht. Während sich das benachbarte Almere aufgrund seiner Nähe zu Amsterdam zur schnell expandierenden Pendlerstadt entwickelte, blieben in Lelystad große Flächen mitten im Zentrum bis heute unbebaut. In diesem unwirtlichen Umfeld erscheint das neue Theater Agora von UNStudio wie ein Raumschiff von einem anderen Stern, das gelandet ist, um das kulturelle Leben in eine bunte und attraktive Zukunft zu führen. Selbst an den typisch trüben Wintertagen lässt das leuchtende Orange eine heitere Stimmung aufkommen, sorgt der dynamische Baukörper nach außen mit seinem »dramatischen Auftritt« für Lebendigkeit – auch wenn im Inneren gerade keine Vorstellung stattfindet. Er steht an der Stelle des unattraktiven Mehrzweckbaus »Agora« aus den 70er-Jahren mit Bibliothek, Theater, Hallenbad und Kongresszentrum, der 2004 abgerissen wurde. Das neue Theater ist der erste Baustein eines umfangreichen Revitalisierungsprogramms nach dem Masterplan von West 8, der bis 2015 weitgehend abgeschlossen sein soll. Dann wird das Theater nicht mehr wie eine Skulptur frei auf der grünen Wiese stehen, sondern in die neu geschaffene Blockstruktur integriert sein. Die klaren kubischen Volumina des 19 m hohen Bühnenturms und die zwei Säle bleiben unter der prismatisch gefalteten Metallhülle wie hinter einem Theatervorhang verborgen. Unterschiedlich abgestufte Orangetöne verstärken den Effekt der Lichtbrechung, Öffnungen sind durch eine Schicht aus Lochblech geheimnisvoll verschleiert (s. Detail 12/2007, S. 1424ff.Zwischen den Veranstaltungssälen, wo keine stringenten Anforderungen an Sichtlinien und Akustik bestehen, macht sich der Entwurf frei vom rechten Winkel, wird die Foyerhalle zum dynamisch schleifenartigen Erschließungsraum, der sich diagonal nach oben hin zum zentralen Oberlicht verjüngt. Die unterschiedlichen Raumqualitäten werden durch knallige Farben akzentuiert. Das Foyer leuchtet in frischem Pink, der Große Saal strahlt durch den roten Plüsch die festliche Intimität eines klassischen Wiener Theaters aus, während der rechteckige Kleine Saal als multifunktionale Black Box neutral gehalten ist. Ganz in zurückhaltend kühles Dunkelblau ist der 350 m² große Konferenzbereich getaucht, der in drei unabhängige Mehrzwecksäle und ein eigenes Foyer mit Balkon unterteilbar ist.

Theater und Kongresszentrum Agora in Lelystad
© Christian Richters