Gletscherzunge, Eisscholle, Schneehügel – mit seinen geneigten Dachflächen aus dem Fjordwasser ragend, erinnert das neue Opernhaus in Oslo mehr an Landschaftsformationen als an einen klassischen Kulturbau. Mit der assoziativen Gebäudeform und der Idee einer für alle zugänglichen Dachlandschaft gewannen Snøhetta im Jahr 2000 den internationalen Wettbewerb für das neue Haus der Norwegischen Staatsoper. Das Osloer Team aus Architekten und Landschaftsarchitekten schuf mit dem in der Bjørvika-Bucht gelegenen Gebäude zugleich einen neuen öffentlichen Stadtraum. Dieser ist seit der Eröffnung im April 2008 ein beliebter Spazierweg und Aussichtsbalkon über Stadt und Fjord. In die Dachlandschaft integriert sind Foyer und beide Bühnen, das große Bauvolumen ist somit geschickt kaschiert. So abstrakt und kühl sich das Haus von Außen mit weißem Carraramarmor und spiegelnden Glasflächen zeigt, so warm und vertraut wirkt das Innere. Das lichtdurchflutete Foyer wird geprägt von der geschwungenen, holzverkleideten Wand, in der Rampen und Treppen zum Herz des Hauses führen: den hufeisenförmigen Großen Saal. Ganz mit dunkler Eiche vertäfelt, verfügt der mit 1360 Plätzen relativ kleine Zuschauerraum über einen ausgezeichneten Raumklang, der in enger Zusammenarbeit von Architekten und Akustik- planern entwickelt wurde.
