Kritisch betrachtet: Hotel Marqués de Riscal in Elciego

Was kann man mit 60 Millionen Euro im Hotelbau erreichen? Man könnte etwa Steven Holl beauftragen und sich fünf Häuser wie das Weinhotel in Langenlois (s. Seite 214ff.) errichten lassen. Das Ergebnis wären ungefähr 400 Gästezimmer. Oder man gibt 50 Low-Budget-Herbergen wie den auf Seite 182 vorgestellten Ryokan in Tokio in Auftrag, um über 1000 kleine Tatami-Räume zu erhalten. Die dritte Möglichkeit aber wäre, sich von einem kalifornischen Stararchitekten mit kanadischen Wurzeln eine medienwirksame Skulptur in ein traditionsreiches spanisches Weingut stellen zu lassen. Für diesen Publikumsmagneten (plus unterirdischer Abfüllanlage) verwendet man den Großteil der Summe. Da in der organisch zerklüfteten Plastik neben zwei Restaurants und Weinbar beim besten Willen aber nur 14 Luxussuiten untergebracht werden können, lässt man für den Rest der Summe einen ebenso unscheinbaren wie äußerlich ungeplant wirkenden Zweckbau daneben stellen, um darin weitere 29 Hotelzimmer zu integrieren. Wenn es dann noch gelingt, diesen ungeliebten Flügelbau auf allen verbreiteten Prospekten und Publikationen zu negieren, ist einem die große Show garantiert. Das Marketingkonzept geht auf und am Rande eines trostlosen spanischen Dorfes lassen sich Zimmerpreise zwischen 300 und 700 Euro pro Nacht erzielen.

Kritisch betrachtet: Hotel Marqués de Riscal in Elciego
© Duccio Malagamba